Müller, Hinrich
Die Brückenbaukunde in ihrem ganzen Umfange: ein Handbuch für Ingenieure und Baumeister (Band 3): Die Erbauung der steinernen Brücken — Leipzig, 1860

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Achtes Capitel. Von den Widerlagspfeilern,

größten Nachtheil sein können, ist leicht cinzusehen, und daher eine solche Grün-
dung unter Wasser jedenfalls sehr verwerflich. Ein gutes Mauerwerk läßt sich
nur im Trocknen, d. h. in einem wasserfreien Raume ausführen und hat man
daher ein Mauerwerk unter der Oberfläche des Wassers in einiger oder grö-
ßerer Tiefe herzustellen, so muß man entweder die Baustelle durch Fangedämme
einschließen und sie trocken legen, oder man muß sich der Gründung in wasser-
dichten Kästen bedienen. Beide Gründungsarten aber sind schon rat ersten
Bande näher beschrieben und bedarf es daher hier keiner weitern Erörterung.

Bei der Brücke zu Chester über den Deefluß (Fig. 529) fand sich etwa
5 Fuß unter dem kleinsten Wasserstande ein festes Felsenlager. Das darüber
befindliche Erdreich wurde abgegraben und der Felsboden kammförmig zuge-
richtet, so daß dadurch gleich der Anlauf des Bogens gebildet wurde. Einen
Theil des Baugrundes, wo kein Felsen aufgefunden wurde, befestigte man
durch einen Pfahlrost, wie auch aus der Zeichnung ersichtlich ist.

Kann man es ohne bedeutend größern Kostenaufwand erreichen, so ist es
sehr zweckmäßig, die sämmtlichen Pfeiler einer Brücke in einer und derselben
horizontalen Ebene zu fuudiren und zwar in der Tiefe des Stromstrichs, weil
dann der Boden unter allen Pfeilern einen gleichen Druck erleidet. Dieses zu
erreichen ist aber wegen mehrfacher Rücksichten nicht immer möglich; denn besteht
das Flußbett aus beweglichem Sande, so ist der Stromstrich nicht selten tief aus-
gespült und muß durchaus regulirt werden; man kann also dann die Tiefe im
Stromstrich nicht wählen, und würde dies außerdem auch mit bedeutenden Schwie-
rigkeiten und Kostenvermehrung verbunden sein. Besteht ferner der Boden aus
Felsen und ist derselbe in seiner Oberfläche nicht horizontal, so würde es eben-
falls nicht rathsam sein, an den verschiedenen Pfeilerstellen das Gestein so weit
wegzuarbeiten, daß die Pfeilersohlen in einer horizontalen Ebene zu liegen
kämen, indem dadurch ohne Noth ein sehr bedeutender Kostenaufwand erweckt
würde. Ueberhaupt wird dieses Verfahren auch selten eingehalten und richtet
man sich gewöhnlich nach der Form und der Beschaffenheit des Flußbettes.

Achtes Capitel.

Von den Widerlagspfeilern, Flügelmauern, Auffahrten

und Leinpfaden.

§. 23. Von den Widerlagspseilern und Flügelmanern.

Ueber die Bestimmung der Stärke der Widerlagspfeiler ist bereits in §. 16
die Rede gewesen und soll hier nunmehr noch über die Form und Ausführung
derselben das Nöthige angeführt werden.
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