Institut Français d'Archéologie Orientale <al-Qāhira> [Editor]; Mission Archéologique Française <al-Qāhira> [Editor]
Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l'archéologie égyptiennes et assyriennes: pour servir de bullletin à la Mission Française du Caire — 6.1885

Page: 57
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rectrav1885/0063
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Der Kalender des Papyrus Ebees.

57

DER KALENDER DES PAPYRUS EBERS.

VON

J. Keall.

Der Kalender auf der Eiickseite des Papyrus Ebers ist von einem grossen Theile der
Fachgenossen, zuletzt von Lepsius in der agyptischen und Eobiou in dieser Zeitsclirift,
behandelt worden; von rein chronologischem Standpunkte liât Eiel im Auschlusse an sein
wohlbekanntes grosseres Werk : « Das Sonnen- und Siriusjahr der Eamessiden » denselben
einer eingelienden und in einigen Punkten, wie mich diïnkt, nahezu abschliessenden Behand-
lung unterzogen.

Die vielseitigen Versuclie das Dunkel, welclies liber dem Kalender, beziehungsweise
tien in demselben vorkommenden Konigsnanien, schwebt, zu lichten, erklâren sich aus der
Hoffnung auf diesem Wege ein sich ères Datum aus der altérai agyptischen Geschichte, sei
es des zweiten oder gar des vierten Jahrtausends vor unserer Zeitreclmung, zu gewinnen.
Dies wâre fur die alte Chronographie ein sebr erheblicher Gewinn. Denn das friilieste Datum,
welclies wir bisher auf dem Gebiete alter Geschichte gewinnen konnten, war das Jahr 885,
wclcbes den Eegierungsantritt Assumazirhabals bezeicbnet'. Aus dem Gebiete agyptischer
Geschichte liess sich bisher mit annâhernder Sicherlieit kein Ereigniss vor Tearko's Regie-
rungsantritt bestimmen. Demi den Versuch, den seinerzeit Brugsch gemacht, eine Stelle einer
Inschrift Thakelot's II. auf eine Mondesfinsterniss zu bezielien, muss man als gescheitert
ansehen (vgl. unsere lîemerkungen in der Zeitsclirift fur osterr. Gymnasien, 1882, S. 748).
Selbst wenn es geliinge, einem der iiblichen Ansatze fur Sclieschonk's Zug nacli Jérusalem
die allgemeine Zustimmung der Fachgeuossen zu gewinnen, so kame man liber die Mitte des
zehnten Jahrhunderts v. u. Aera nicht hinaus.

Indem wir nun unsererseits daran geheii den Kalender des Papyrus Ebers einer aber-
maligen Erorterung zu unterziehen, haben wir die Absicht in erster Linie festzustellen, wie
sich derselbe in den Rahmen der von uns an anderen Stellen vorgetragenen Ansichten iiber
altiigyptiscbe Chronologie einfiigt.

Die Frage, wie die Cartouche des Kalenders zu lesen sei, sparen wir uns fur den Schluss
auf und suchen zuerst den Zweck, dem der Kalender diente, die Zeit in der er geschrieben
wurde und seine Einrichtung festzustellen. Es wird sich auf dièse Weise ergeben, in welcber
Zeit der fragliche Kiinig zu suchen sei und es kann gleichsam als Gegenprobe nur erwiinscht
sein, wenn es fur diesc Zeit gelingt einen Konig nachzuweisen, dessen Namen in den r&thsel-
haften Zeichen der Cartouche entlialten sein kann.

1) Bezieht sich die of't behandelte Stelle der InBchriften dièses Assj'rerkiinig-s in der Tliat auf eine
Sonnenfinsterniss, so kann darunter nur die partielle Sonnenfinsterniss vom 12. Juli 885 v. u. Aera gemeint
sein. Vgl. v. Haebdtl, Axtronomische lieitriiije zur asxyrUiclien Clironologie (Denlcschriften der Akadcmie der Winsen-
schaften von Wien, malhem.-nalurw. Classe, XLIX), S. 153 ff.

Kocuoil, VI. 8
loading ...