Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 13.1907

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G. v. Gvupello: Ncmesis. (Im Scksioßgartm zusiSchwctzingon.)

Iubilüums-AusftcUungen 1907
in Mannheim.

Mannbeim, die große Handelsmetropole am Obcr-
rbein, begebt 19O7 die drirte Säkularfeier ibres Bestebens
als Stadt. Weder ihr dreibnndertjäbriger Bestand, nocb
ibr Cbarakter als Handels- und Indnstriestadt wären
im Grnnde genügende Veranlastnng zn einer so anßer-
ordentlich sestlichen Vcranstaltnng, wie sie geplant nnd
ins Werk gcsetzr ist. Abcr die Tarsacbe, daß bei der
diesmaligen Gründnngsseier Mannbcim sicb nicbt bloß
erstmals einer Periode des Friedens, sondern ancb einer
nngeabnten Emwicklnng, Größe nnd Krast ersrenst und
der Willch aus dem Gesübl sciner Leistnngssäbigk'eit
berans die kultnrellen Verpslichtungen des sreien nnd
woblhabenden Bürgers zu ersülleist haben den Gedanken
gezeitigst an die Tradition der aristokratischen Knltnst
die in der Epoche der Revolntion zerstört wurdch wieder
anznknüpsen nnd daran weiterznbauen.

Mannbeim isst seinem Ursprnng nnd seinen bentigcn
Beziebnngen naclst in gewistem Sinne eine internationale
Stadt. Die bedentendsten Knltnrvölker baben an ihr
gebant. Der mederländische Vanban, Minno de Coeborn,
entwars die Pläne sür Stadtanlage nnd Fesstntg. Fran-
zösische Arcbitektelst wie Froimonst Hanberat nnd Pigage,
nnd die Italiener Al. Galli Bibiena und Raballiati
ersteltten die monnmentalen Banten im Stil des Barock

G. v. Grupollo: Minerva. (Im Schloßgarten zu Schwetzingen.)

nnd Rokoko. In der Plastik gaben Niederländer nnd
Deutsche die Richtnng an; die Malerei wird von Deut-
schen beherrscht; im Knpserstich wirken deutschst sran-
zösische und englische Künstlest und im Gartenban sind
sranzösische nnd englische Einflüste wirksam. Die Maler-
samilie Kobell babnt eine neue Natnraussastung an und
leitet die alte Zeit mit seinen künstlerischen Werken in
das nene Iabrbnndert binüber. Unter Karl Philipp
nnd Karl Theodor war Mannheim eine wabre Künstler-
kolonie von Architekten, Plastikern, Malerist Knpsersrechern,
Goldarbeirern nsw., nnd das künstlerische Leben in Mann-
heim war so reiclst so vielseitig, so anregend und weit-
gehenlst daß - wie zeitgenössische Bericbre sagen — „jeder
gebildete Mannheimer sür einen Knnstkenner gelten
'dnrste". Goethst Schillest Lessing, Wieland nnd Schubart
baben in Mannbeims Knnst bedentsame Anregnngen
erhalten. Mozart hat iin Mannheimer Mnsikerkreis
gerne geweilt; die Mannheimer Symphoniker Stamitz,
Richter, Cannabich und Filtz haben den Boden bereitest
aus dem die Haydnsche nnd Mozartsche Symphonie
ersteben konnte. DaS alles änderte sich in knrzer Zeist
als die Rcsidenz der Knrsürstcn nach München verlegt
worden war nnd nachdem die Revolntionskriege, über
das Rhcintal segend, cine alte ansgerciste Knltnr ver-
nichteten. Die einst üppige nnd sroh belebte Barockstadt
verödete. Erst der Handels- nnd Zollanschluß Badens
an Preußen gab (1835) Mannbeim die Freiheit und
Möglichkeit zu seiner Entwicklnng als Handelsftadt

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