Zeitschrift für christliche Kunst — 19.1906

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1906. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Dasselbe stellte zwei große sitzende Figuren
und eine kleinere in kniender Stellung dar;
erhalten ist eine in faltenreiches Gewand ge-
hüllte Frauengestalt, breit gelagert in einem
Sessel. Wirksam heben sich von blauem
Grund alle Figuren ab, deren Gewandung mit
gehäuftem, eckig gebrochenem Gefältel an die
Schöpfungen der rheinischen Malerei um die
Mitte des XIILJahrh.
erinnert, ebenso wie W^^SSP
die ornamentale Zu-
tat des Bildes. j .-.,-, JUUl

In diese Zeit fällt
manches geschicht-
liche Ereignis, das
in Beziehung zu dem
erwähnten Wappen-
schmuck der Balken
gebracht werden
kann: Der Bestand
des Königreichsjeru-
salem nach dem 122H
abgeschlossenenVer-
trag mit Sultan Alka-
mil, die Regierungs-
zeit des Kölner Erz-
bischofsHeinrichvon
Molenaer 1225—
1238, die Anwesen-
heit Kaiser Fried-
richs II. in Deutsch-
land^«—1237und
die Einholung seiner
Braut Isabella von
England in Köln
1235. Sollte diese
in der Zeit ihres
mehrwöchentlichen
Aufenthaltes daselbst
vielleicht Kölnische
Gastfreundschaft in

dem Patrizierhause am Holzmarkt genossen,
und ein Kölner Künstler die Gelegenheit wahr-
genommen haben, solch seltenes Ereignis der
Nachwelt im Bilde zu hinterlassen? Möglich,
und der Forschung sei damit eine Anregung
gegeben für das Studium der Vergangenheit
des Hauses am Holzmarkt, dessen die Schreins-
bücher schon 1269 Erwähnung tun unter der
Beziehung: Domus et arca veteris portae, in
litore Rheni, und super angelo Bozierodo

Abb. 3. Wandbild.

dicta; 1319 folgt: Domus et arca super foro
lignorum, 1342 und 1360: Domus et arca
Binge bezw. Brincke, 1373: Domus Bynghe;
außerdem geschieht des Gebäudes Erwähnung
im Buch der Weber und im Buch Weinsberg.
In erster Linie aber steht die Frage um
die Erhaltung dieser hochbedeutsamen Reste
mittelalterlicher Kölner Kunst: Das Wand-
gemälde hat nach
sorgsamer Ablösung
am ursprünglichen
Platze durch den
Maler Anton Barden-
hewer eine würdige
Stelle im Kreuzgang
des Museums Wall-
raf-Richartz erhal-
ten, und eine Ver-
öffentlichung ist in
dem Werke „Die
romanischen Wand-
malereien der Rhein-
lande" von Paul
Clemen auf Tafel 57
erfolgt. Farbige Ko-
pien der Balken unter
Zuhülfenahme der
Photographie — 1/8
der wirklichen Größe
— hat der städtische
Architekt Carl Bae-
deker genommen;
nach ihnen sind die
diesen Zeilen beige-
fügten Abbildungen
gefertigt. Die Balken-
decke selbst wird
demnächst ihren
Platz in einem Er-
weiterungsbau des
Kunstgewerbe - Mu-
seums erhalten, bei welchem eine Reihe der
im Laufe der Jahre aus dem Abbruch alter
Kölner Wohnhäuser geretteter Architekturteile,
Ausbaustücke, Wand- und Deckenmalereien
Verwendung finden, auch eine remterartige,
spätgotische gewölbte Halle wieder aufgebaut
werden soll, der aber vor allem dazu bestimmt
ist, die kostbare Sammlung des Herausgebers
dieser Zeitschrift als Vermächtnis an die Stadt
Köln dauernd zu beherbergen.

Köln.

Friedrich Carl Hei mann.
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