Winghart, Stefan ; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg bei Hameln: Diskussion über eine zentrale Stätte nationalsozialistischer Selbstinszenierung — Hameln: Niemeyer, Heft 36.2010

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Das Gelände der Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg als
Kulturdenkmal und seine Umgebung als gestaltete Kulturlandschaft
Henning Haßmann

Der Bückeberg bei Hameln war als Gelände der
Reichserntedankfeste in den Jahren 1933 bis 1937
Schauplatz einer der größten Massenveranstaltungen
des „Dritten Reiches" (Biegel und Otte 2002,
Gelderblom 1998). Das Areal ist eines der am besten
erhaltenen und eindrucksvollsten Zeugnisse monu-
mentaler Landschaftsarchitektur und gestalteter
Kulturlandschaft aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Der Platz selbst sowie eine Fülle von Kulturland-
schaftselementen im näheren Umkreis sind nicht nur
Kulturdenkmale im Sinne des Niedersächsischen
Denkmalschutzgesetzes (NDSchG), sondern stellen
auch historisch bedeutsame kulturelle Sachgüter im
Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes dar. Im Folgen-
den soll der denkmalpflegerische Aspekt unter
Berücksichtigung der Grundlagenforschung des Ha-
melner Historikers Bernhard Gelderblom (u. a. Gelder-
blom 1998) und Forschungen des Niedersächsischen
Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) beleuchtet
werden. Dabei bestehen viele Bezüge zu den anderen
Beiträgen in diesem Band, auf die hier nicht im Einzel-
nen verwiesen wird.
Das zu Beginn des „Dritten Reiches" angelegte
Reichserntedankfestgelände liegt etwa 5 km südlich
von Hameln, am Nordhang des 161 m hohen Bücke-
berges (Gemarkung Hagenohsen, Gemeinde Emmer-
thal), der den westlichen Abschluss des West-Ost ver-
laufenden Höhenzuges „Hellberg" bildet (Abb. 1).
Zwischen dem Bückeberg und Hameln öffnet sich ein
ebenes Tal von etwa 4 bis 5 km Durchmesser und gibt
den Blick frei auf die südwestlich des Bückeberges
durch die Gemeinde Emmerthal und weiter westlich

der Hamelner Innenstadt in Richtung Norden fließen-
de Weser. Das nordwest-südöstlich ausgerichtete lan-
govale, plane Festgelände mit einer Steigung von
12 % misst etwa 600 x 300 m (18 ha) und entspricht
damit einer Fläche von etwa 25 Fußballfeldern
(Abb. 2 und 3). Das Gelände fällt am Rand zur west-
lich gelegenen Bückebergstraße bzw. zu den östlichen
Ackerflächen mit einem Höhenunterschied bis zu
10 m steil ab. Während der obere Bereich des Ge-
ländes unberührt ist, ist der hangabwärtige Bereich
durch den nördlich an den heutigen Feldweg angren-
zenden Ackerbau angeschnitten (Abb. 3). Das Festge-
lände wird vornehmlich als Weideland genutzt. In der
Mitte wird die Fläche durch einen heute noch etwa
1 m hohen und 8 m breiten, schnurgeraden Damm
von heute noch etwa 500 m Länge geteilt, der als
„Führerweg" angelegt worden ist (Abb. 4). Im oberen
Bereich finden sich sehr gut erhaltene Betonfunda-
mente der oberen Tribünen (Abb. 5), während sich die
Fundamente der unteren, kleineren und ganz aus
Holz errichteten Bühne für die Führungsriege des NS-
Regimes im Bereich heutiger ackerbaulicher Nutzung
nicht erhalten haben.
Neben dem zentralen Festgelände findet sich eine
Fülle weiterer authentischer Relikte, die in direktem
Zusammenhang mit dem Reichserntedankfestgelände
stehen. Zum einen handelt es sich um Reste der Infra-
struktur zur Erschließung der Massenveranstaltung,
zum anderen finden sich Elemente wie zum Beispiel
Baumgruppen, die zur Gestaltung der Landschaft als
Teil der Inszenierung angepflanzt wurden. Besonders


2 Bückeberg, Ldkr. Hameln-Pyrmont. Der Bückeberg auf
einem nach Süden ausgerichteten Geländemodell.

3 Bückeberg, Ldkr. Hameln-Pyrmont. Das Festgelände aus
der Luft.
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