Winghart, Stefan ; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg bei Hameln: Diskussion über eine zentrale Stätte nationalsozialistischer Selbstinszenierung — Hameln: Niemeyer, Heft 36.2010

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2 Bückeberg, Ldkr. Hameln-Pyrmont. Blick über den „Führerweg'' des Bückebergs auf die Weserlandschaft.

Zur manipulativen Gestaltung von Landschaft -
der Bückeberg im Kontext einschlägiger Anlagen der NS-Diktatur

Joachim Wolschke-Bulmahn

Bei den nachfolgenden vergleichenden Betrachtun-
gen des Bückebergs mit dem Sachsenhain bei Verden
an der Aller und dem Heiligenberg, einer Thingstätte
am Neckar nahe Heidelberg, wird ein Schwerpunkt
auf der Frage nach der Bedeutung der Landschaft für
diese Thingstätten, auf der Bedeutung von Landschaft
als manipulativem Instrument zur Beförderung völki-
schen Denkens und der Blut-und-Boden-ldeologie lie-
gen. Das Konzept der „Volksgemeinschaft", von be-
trächtlicher Bedeutung für die NS-Diktatur bei der
Umsetzung ihrer verbrecherischen Ziele, kann in sei-
ner Wirkung nicht voll verstanden werden ohne eine
Einbeziehung der Vorstellungen über „Landschaft"
als quasi einer wichtigen Facette des „Bodens",
einem der Grundpfeiler dieses ideologischen Kons-
trukts. Die Vorstellung der Zugehörigkeit zur „Volks-
gemeinschaft", dies eine These, wurde durch Anlagen
wie den Bückeberg, den Heiligenberg und den Sach-

senhain befördert.1 Wenn auch in der landschaftsar-
chitektonischen Ausgestaltung stark unterschiedlich,
liegen in der landschafts-ideologischen Begründung
für diese Anlagen große Übereinstimmungen vor. In
diesem Zusammenhang wird abschließend auf zwei
so genannte „Ahnenstätten" eingegangen, die „Ah-
nenstätte" Seelenfeld nahe Loccum in Nordrhein-
Westfalen sowie die „Ahnenstätte" Hilligenloh bei
Hude.
Einleitend sollen drei Zitate die Vorstellungen zur Be-
deutung von „Landschaft" und von den Zusammen-
hängen von Landschaft und „Volksgemeinschaft"
aufzeigen, wie sie in völkischen Kreisen in Deutsch-
land bereits lange vor 1933 existent waren, wie sie
dann vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus
propagiert wurden. Diese Zitate mögen gleichzeitig
andeuten, dass ideologische Vorstellungen über
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