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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0051

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Römische Bäder in Baden

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Ambauten die Noröansicht etwas von ihrer alten Geschlossenheit, so muß der Bau
trotzdem viel von seinem früheren Ebenmaß behalten haben. Es ist Mhlius ge-
lungen nachzuweisen, daß der Grundriß des ursprünglichen Baues auf Grund von
mathematischen Äberlegungen entworfen ist und daß allen feinen Maßen die Geo-
metrie des regelmäßigen Sechsecks zugrunde liegt. Weniger gegliedert war von
Anfang an die Südfront des Gebäudes. Cs sprangen über die Mauerflucht nur die
beiden Apsiden der Säle O und die kleineren von 6 heraus. Durch Halbrunönischen,
von Säulen flankiert und durch Statuen belebt, wurde die lange Front vorteilhaft
und wohltuend gegliedert. Rund 150 Jahre lang mag das Heilbad Kranken und
Erholungsuchenden Gesundung und neuen Lebensmut gebracht haben, bis die schwe-
ren Erschütterungen der Dreißiger Jahre des 3. Jahrhunderts den Badebetrieb un-
möglich gemacht haben und das stattliche Gebäude zerfiel.
Sind die inschriftlichen Denkmäler von der Blüte Badenweilers überraschend
spärlich geblieben, so hat uns der Boden Von Baden-Baden eine reiche Fülle von
Denkmälern erhalten und wiedergegeben, gewiß ein Beweis, daß das Heilbad an
der Oos noch viel besuchter war als das von Badenweiler, flössen doch dessen
Quellen viel heißer und stärker, Anter den Besuchern waren viele Angehörige des
römischen Heeres, begreiflich, da die Heilerfolge bei echten Feldzugskrankheiten, wie
Rheuma, Ischias, hartnäckigen Katarrhen besonders gut sind. Von der 8. Legion
in Straßburg und der 26. Kohorte freiwilliger römischer Bürger, die zeitweise in
Baden in Garnison lag, sind wohl die oberen Bäder in nächster Rähe der Quellen
zuerst errichtet worden (Beilage 3, oben). Reine Nutzbauten, wie sie das Be-
dürfnis geschaffen, ohne den Versuch, den Bauten eine geschlossene architektonische
Gliederung zu geben, aber in den Gemeinfchaftsbecken und ihrer aufwendigen
Ausstattung an andere Heilbäder erinnernd, wenn auch die Becken nicht so groß
sind und ihnen die Cinzelwannen und Duschnischen von Badenweiler und Wies-
baden fehlen. Von der Folge dieser vier aneinandergereihten Becken stieß man
zunächst 1847 auf des kreisrunde Becken von 7,50 m Durchmesser und 1,29 ra
Tiefe. Das Becken, etwas nach innen geböscht, war auf einer Bettung von Ziegel-
estrich mit Marmorplatten ausgekleidet. Den Zufluß erhielt das Becken in der
Nordostecke, wo das Thermalwasser aus der nahen Kühlquelle in den Raum hinein-
geleitet und von einem halbrunden Auffang ausgenommen, in das Becken einfloh.
Ihm schloß sich etwas tiefer gelegen, ein rechteckiges Becken 8 an (7,95/9 m) von
gleichem Aufbau. Da den beiden Becken die Einsteigstufen fehlten, so wird in ihnen
das heiße Thermalwasfer gekühlt worden sein. Das größere wieder etwas tiefer ge-
legene rechteckige Becken E (14.50/9) hat drei Einsteigstufen an der Ostwand, dop-
pelte Sitzstufen an der Südwand und einfache an der Westwand. Ferner hatte das
Becken einen unterirdischen Abfluß. Das sich anschließende Rundbecken O (Durch-
messer: 9 m) hatte einen Einstieg und doppelte Sitzstufen. Die beiden letzten Becken
waren mit sorgfältig geschliffenen Granitplatten bekleidet. Dem Trakt der
Gemeinfchaftsbecken war ein unterheiztes Laconicum angebaut, also eine trocken-
heiße Schwitzstube, die als Ergänzung noch ein Kaltwasserbecken verlangt, das im
Wechsel mit der Schwitzstube benutzt zu werden pflegte. Wir haben also hier die-
selbe Verbindung von einem Heilbad mit Gemeinfchaftsbecken und trockenheißer
Schwitzstube wie in Badenweiler. Die Auskleidung der Becken bestand Wohl ur-
sprünglich ähnlich wie in Badenweiler nur aus Ziegelestrich. Eine im Bade ge-
fundene Inschrift berichtet uns, daß der Kaiser Caracalla im Iahre 213 nach Ent-
fernung der Felsen das Bad ausgebaut, die Warmbäder wiederhergestellt und mit
Marmorplatten ausgeschmückt habe. Caracalla war damals auf einem Feldzug
gegen die Alamannen erkrankt und hatte im Bade Heilung gesucht und gefunden.

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