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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0076

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72

E. Krüger

dieser Köpfe lähi nur eine Deutung zu, nämlich die als Windgötter. Soviel ich sehe, hat
die provinziale römische Kunst den Windgöttern vier bezeichnende -Züge verliehen, die uns
alle hier begegnen: -Zum Blasen vorwärts gereckte Köpfe mit herausgepreßten Lippen,
aufgeblasene Backen, strähniges Haar und Flügel. Man betrachte den linken Kopf mit
seinen aufgeblähten Backen, dem aufgeblasenen Kehlsack und dem zum Blasen gespitzten
Lippen (Tas. VIII). Die aufgeblasenen Backen sind am Original noch deutlicher, als sie die
Photographie erkennen läßt. 2a man glaubt auf dem heute so flachen Relief, dessen feinere
Ruancen sich nur noch in scharfem Seitenlicht erschließen, noch den von den Lippen aus-
gehenden Luftzug zu erkennen. Man vergleiche nun damit den Kopf bei Haug-Sixt-Gößler,
die römischen Inschriften und Bildwerke Württembergs S. 422 Abb. b. Die Ähnlichkeit
der Kopfhaltung ist verblüffend. Daß es dem Bildhauer darauf ankam, auch die Haar-
strähnen deutlich herauszuarbeiten, zeigt der Hinterkopf des rechten Windgottes auf un-
serm Relief, wie wieder die Abb. b bei Haug-Sixt-Gößler. Aber auch die Flügel, die
Krüger vermißt, fehlen nicht. Das zeigt der rechte Kopf. Dort ist der Flügelansatz deutlich
zu erkennen. Ich weiß für dieses Läppchen auf dem Kopf schlechterdings keine andere Er-
klärung als die eines Flügels. Aber auch die Erhöhung, die den linken Kopf etwas über-
ragt, dürfte auf einen Flügel zurückgehen. Man vergleiche damit die Flügelansätze auf den
Mithrasdenkmälern von Heddernheim, Reuenheim und Dieburg (Germania Romana,
Weihedenkmäler Tas. XXXIV 1 und 3 und Taf. XXXVI 2). Dazu kommt, daß beide Köpfe
nicht auf Postamenten stehen, sondern frei in das Bildfeld hineingesetzt sind. Bon dem
linken Postament ist der Kopf scharf und deutlich abgesetzt. Auf der rechten Seite ist über-
haupt kein Postament vorhanden, sondern nur der Rand des vertieften Bildfeldes des
Reliefs.
Krüger ist geneigt, die aufgeblasenen Backen auf die geringe Kunstfertigkeit des Bild-
hauers zurückzuführen. Dem widerspricht aber die durchaus individuelle, sichere -Zeich-
nung des besser erhaltenen rechten Kopfes. Die Bildung dieses Kopfes mit dec Stumpfnase
und den wulstigen Lippen erinnert an die -Züge eines Satyrs, eine Verwandtschaft, die
sich nach Dragendorff-Krüger, das Grabmal von Igel S. 72 schon früh bei den Wind-
götterköpfen findet. Gerade diese -Züge finden wir auch wieder in dem ganz ähnlich ge-
bildeten Kopf in dem rechten unteren Eckzwickel der Rückseite des Dieburger Mithras-
reliefs^ und dem Fragment von Mainz bei Fr. Cumont?. Dazu kommt die komplizierte
Haltung des rechten Kopfes, der keineswegs in einfachem Profil wiedergegeben ist, son-
dern zuerst aus der Bildfläche heraustritt und dann erst nach links in das Profil hin-
übergebogen ist. Sv etwas stellt an das Können des Bildhauers bedeutende Anforderun-
gen. Ja, es scheint mir überhaupt nur möglich, wenn wir uns als Vorbild für die Wind-
götter ein gutes provinzialrömisches Stück denken. Wie solche Stücke ausgesehen haben
mögen, zeigt die Darstellung der Windgötter auf der Igeler Säule
Wenn die Köpfe Windgötter sind, dann ist durch Grabdenkmäler wie Germania
Romana, Grabdenkmäler Taf. XXVII 3 und XXXI 2 der Weg für die Möglichkeit auch
einer andern Deutung gewiesen, die durch die dortigen Grabinschriften eine gewisse literari-
sche Stühe bekommt: Der Kopf in der Mitte stellte den Toten dar, die Tiere, die ihn um-
geben, bezeichneten seine Umwelt. Die Größe der Relicftafel würde einer solchen Deutung
nicht widersprechen. Sie würde vielmehr dazu passen. Man müßte dann annehmen, daß
irgendwann einmal der untere Teil mit der Inschrift entfernt wurde, weil nur noch das
Bild interessierte. Das brauchte nicht an der Brigachquelle gewesen sein, denn gefunden
wurde unter den Steinen des Küchengewölbes nichts mehr.
Solange aber die Deutung des Reliefs nicht gesichert ist oder an Ort und Stelle nicht
weitere keltisch-römische Spuren gefunden sind, halte ich es für gewagt, von einem Quell-
heiligtum zu sprechen. Habent sua lata libellüMan weiß, wie leicht solche Steine, nament-
lich wenn sie von geringer Schwere sind, verschleppt werden können. Und da scheint es mir
nicht ohne Bedeutung, daß das Hirschrelief gerade beim Hirschbauer zutage kam. War es
am Ende gar als Hausmarke des Hofes dorthin gebracht worden, wie Heinemann ge-
i Germania Romana Taf. XXXVI 2.
? Textes et monuments klgures, relatiks aux masteres cke dUtbra II S. 381 Abb. 295
3 Germania Romana, Grabdenkmäler, Taf. XXXVII 2.
 
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