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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0085

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Ein Alamannenfriedhof von der Reichsautobahn bei Heidelberg-Kirchheim

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Was die Kirchheimer Skelettgräber sonst noch an datierbaren Funden geliefert
haben, widerspricht obiger Ansetzung nicht: Die großen flachrunden Bernsteinperlen
und die durchsichtigen Glasperlen passen ebenso in diese Zeit, wie der Keulenarm-
ring aus Grab 3, der schon in Heilbronn, Brauerei Cluß", vorkommt. Die zum
selben Grab gehörige Silberdrahtschlinge gehört zu einem Schmuck, wie ihn Vogt
von Basel/Gotterbarmweg (Grab XVIII)" abbildet. Der Spitzbecher aus Grab 12
hat seine Parallele in einem Grab mit Rädchensigillataschüssel und Dreiknopffibel
aus Antertürkheim". Das Wurfbeil findet sich in den Gräbern vornehmer Männer
des 5. und 6. Jahrhunderts. Die übrigen Funde muß man als reine Zweckformen
bezeichnen, die sich einzeln nicht datieren lassen.
Zuletzt bleiben noch die außerhalb der Grabzusammenhänge gefundenen Ge-
genstände, stets Ton- und Glasgefähe zu betrachten. Eine Sonderstellung nimmt
offenbar das Brandgrab 9 in der Sigillataschale ein. Das Gefäß entstammt, wie
Herr Dr. Stade, Frankfurt, bestimmte, der Werkstätte des Töpfers Marcellus, der
in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts in Rheinzabern gearbeitet hat. Da die
Bestattung ein wenig außerhalb der anderen Grüber lag und Beifunde keine vor-
handen sind, bleibt die Zusammengehörigkeit ungesichert. Die Frage, ob wir hier
ein einzelnes, durch Zufall bei dem späteren Alamannenfriedhof liegendes Brand-
grab aus römischer Zeit haben, oder ob die Schale später gefunden wurde und die
Reste eines Alamannen enthält, muh offen bleiben. Es ist vielleicht in diesem Zu-
sammenhang erwähnenswert, daß römische Keramik auch sonst von merovingerzeit-
lichen Fundstellen bekannt ist. Beeck nennt beispielsweise einen Sigillatateller von
Heilbronn, Brauerei Cluh".
Richt ganz klar ist die Bedeutung der anderen, einzeln, gefundenen Gefäße
8n und d sowie 5. Als Grabbeigaben kommen sie kaum in Betracht, da sie zwischen
Gräbern und außerdem durchschnittlich 60-70 cni höher als der Grabboden lagen.
Obwohl diese Beobachtung nicht von mir selbst gemacht wurde, sondern nur den
Angaben der Arbeiter entstammt, ist sie zuverlässig, denn bei meinem Hinzukom-
men waren im Zug der Niveausenkung an dieser Stelle dte Gesäße alle schon dem
Boden entnommen, während die tiefer liegenden Gräber noch unberührt waren.
Man könnte in Analogie an, Brandgrab 9 an Behältnisse von Leichenbrand den-
ken, doch wurde solcher in keinem der Gefäße weder von den Arbeitern noch von
Rindsfüher, der die Gefäße reinigte, beobachtet, während der in Grab 9 sofort
erkannt wurde. So bleibt die Möglichkeit, daß es sich um Gefäße handelt, die
ehemals Speise- oder Trankopfer enthielten und zwischen bezw. neben den schon
zugeschütteten Gräbern niedergestellt wurden. In diesem Falle müßte früher das
Bodenniveau hier tiefer gelegen haben, was in diesem Sandboden durchaus mög-
lich scheint. Zu der Glasschale 8 a bildet Beeck eine genaue Parallele von Heil-
bronn, Brauerei Cluh, ab". Die Form zeigt deutlich den Einfluß spätrömischer
Glaswerkstätten. Auch das Gefäß 8l> findet seine Vergleichsstücke in der frühen
Keramik. Das Henkelkrügchen 5 paßt gut zu einem entsprechenden von Alm, sowie
Stücken von Sontheim b.Heilbronn und Heilbronn, Brauerei Cluh". Aus Baden
läßt sich ein Gefäß aus Böhringen nennen".
" Beeck, a.O. Tas. 30, 8.
" E.Bogt, a.O, Tas. IX 3.
" Beeck, a. O. Taf. 19 S 3 u. Abb. 5.
" Beeck, a.O. Taf. 16, 6. Zur Datierung vergl. Werner, a. O. 37 Anm.2.
" Beeck, a.O. Taf. 19 8 2.
"Beeck, a.O. Rigratassen aus Nagold u. Gültlingen, Taf. 15, 8 u. 11. Krügchen
Taf. 15, 17 u. Tas. 16, 14 u. 16.
" Bad. Fundber. II 65 Abb. 22.

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