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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0024

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20

Nachrufe

hatte er ernsthaft den Gedanken erwogen bei Herrn Geheimrat Deecke zu
promovieren. Aber der „Student“ Peters war ein fertiger Mann, der sich nicht
mehr formen ließ. Stets auf absolute Selbständigkeit bedacht, um ihn selbst zu
zitieren: „stets im Besitze der Freiheit des persönlichen Entschlusses“ gab er
den Plan auf, in vorgeschriebenen akademischen Vorlesungen und Übungen
das Ziel zu erreichen. Einige Monate vor seinem Tode verlieh ihm die Philo-
sophische Fakultät der Universität Freiburg i. Br. den Ehrendoktor. Mit der
abgeklärten Ruhe des weisen Alters nahm er die Ehrung entgegen.
Worin liegt das Besondere, das doch nicht Alltägliche im Leben von Eduard
Peters? Ein Charakterzug ist schon erwähnt: die bewußt behütete Selbständig-
keit. Bis zu einem gewissen Grade auch finanziell unabhängig ging er den
Höhlen und Überhängen des badischen, schwäbischen und hohenzollerschen
Jura nach. Mit geradezu nachtwandlerischer Sicherheit fand er die Kultur-
stätten des papolitischen Menschen. Einige Meter Gesteinsschutt über den
prähistorischen Schichten setzte er als geologisch verständliche und deshalb in
Rechnung zu stellende Tatsache ein. Einen Teil der Unkosten trug er selber,
und nur bei zu großen Ausgaben ließ er durch Geheimrat Deecke und andere
Freunde staatliche Unterstützung zu. Peters war ein „Motor“; er brachte mit
seinen Plänen, mit der Systematik seines Vorgehens, mit einer gewissen Kühn-
heit, mit seiner „Freiheit des Entschlusses“ sprühendes Leben in die Ur-
geschichte Südwestdeutschlands. In 20 Jahren ging er an insgesamt 48 Grabun-
gen (einschließlich der Probeschürfungen) und veröffentlichte 27 Arbeiten. Er
war kein Freund der Theorien; nur Tatsachen, nur Funde galten ihm. Man
überblicke seine Zusammenstellung der Veröffentlichungen ab 1930 bis 1945.
Im Sommer war er im Gelände, im Winter am Schreibtisch. Lag der Schnee
im Schwarzwald, zog er seine weißen Skispuren tagelang ohne einen Begleiter.
Die tiefen Freuden des Wintersportes hatte er in Arosa und Davos als junger
Mann kennen gelernt. Geselligkeit im kleinen Kreise liebte er, wie er die
lauten, großen Gesellschaften mied. Nur schwer kam man in sein innerstes
Gemüt; er war aber beglückt, wenn er an Leid und Freud der andern teil-
nehmen durfte. Trat man ihm wissend entgegen, daß er ein Hagestolz war mit
allen Licht- und Schattenseiten, schloß er sogar leicht gute Freundschaft. Und
darin hat er sich bewährt: In aller Stille half er manchem um die Existenz
ringenden jungen Studenten. Seine Arbeiter während der Grabungen hatten
ihn ausgesprochen gern; er war exakt in allem. Sein Wort war ja oder nein;
seine Zeiteinteilung war beispielhaft. Es darf um der Wahrheit willen nicht
verschwiegen werden, daß Eduard Peters kantig war, und daß er sich an
andern kantigen Persönlichkeiten seines Faches und seiner Umwelt schon
stoßen konnte. Nie aber stand die edle Lauterkeit seiner Gesinnung in Frage.
Peters gedenkt dankbar seiner Förderer. Das Deutsche Archäologische Institut
ernannte ihn zum ordentlichen Mitglied. Die Bayerische Akademie der Wis-
senschaften ehrte ihn mit der Verleihung der Silbernen Medaille „Bene
merenti“ am Bande Das Istituto Italiano die Paleontologia Umana in Rom
dankte für seine Hilfe bei den Ausgrabungen in San Felice Circeo und den
berühmten Grimaldihöhlen bei Mentone durch seine Ernennung zum korre-
spondierenden Mitglied.
Nun ist es unsere Pflicht, ihm zu danken und Dr. h. c. Eduard Peters in ehren-
dem Gedenken zu behalten.

Freiburg

Max Pfannenstiel
 
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