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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0350

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346

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Der 291 m hohe, steil aus der Ebene aufragende Säg-Berg bei Velem Szentvid ist
seit der großen Veröffentlichung von Kalman Freiherrn v. Miske jedem Frähistori-
ker ein fester Begriff. Besiedelt während fast aller urgeschichtlichen Kulturepochen
befindet er sich durch seine Lage am Westrand des ungarischen Dunäntül, hart an
der Grenze Österreichs, zugleich im Schnittpunkt wichtiger Verbindungslinien zwi-
schen dem westalpinen Gebiet und den Donauländern. Bei der Bedeutung dieses
Fundpunktes wird man der Verfasserin besonderen Dank wissen, daß sie in muster-
gültiger Weise eine Reihe, dem mitteleuropäischen Archäologen schwer zugänglicher
Funde vor legt, deren Kenntnis unser Wissen erheblich bereichert. Ausgangspunkt
der Arbeit sind zwei Hortfunde, von denen der eine ausschließlich Materialien aus
Gold enthält, während sich der zweite neben ähnlichen Goldsachen durch seinen
übrigen Inhalt (Schwerter, Beile, Sicheln, Ringe, Gußkuchen u. a. m.) in den üblichen
Rahmen jungurnenfelderzeitlicher Horte einreiht. Von Fund I ausgehend legt Ver-
fasserin zunächst verwandte Goldfunde Ungarns und des Auslandes vor, wobei auf-
fällt, daß die nächsten Parallelen der „Diademe“ fast durchgehend in den west-
alpinen Raum weisen (vgl. auch die Bemerkungen von W. Kimmig über „Neufunde
der frühen Urnenfelderzeit aus Baden“ in diesem Band). In einem 2. Kapitel wird
die Herkunft dieser „Diademe“ untersucht, wobei wohl mit Recht letztlich Anregun-
gen aus dem ägäischen Raum (Mykenä) angenommen werden. Ein 3. Kapitel ist den
Bronzeschwertern mit Scheiden aus Fund II vom Säg-Berg gewidmet, für welch
letztere, wie uns scheint ohne zwingenden Grund, gleichfalls balkanisch-ägäische
Entstehung vermutet wird. Während das als eine Zwischenform zwischen Möriger—
und Liptauer-Typus anzusprechende Vollgriffsschwert, sowie das an der Grenze zur
Hallstattform stehende Griffzungenschwert durchaus einer lokalen Werkstatt ent-
stammen kann, liegen für die erhaltenen Bronzescheiden bis jetzt kaum Ent-
sprechungen vor. Das wird daran liegen, daß die meisten Scheiden aus Holz oder
Leder gewesen sind. Immerhin gibt es etwa in Westeuropa Bronzeblechscheiden
rhombischer Form, die zu Schwertern mit geschlitzter Zunge, also etwa in die
gleiche Zeit gehören und die von Spanien (Ampurias 2, 1940, Taf. 6, Mitte) über die
Bretagne (2 Stück im Museum Nantes) bis England (British Museum Guide: Bronze
Age (1920) 33 Abb. 12) streuen. Entfernt mit der Scheide Taf. V, 1 b vergleichbar
ist auch die schöne Schwertscheide von Uzes (Dep. Gard, Frankreich) (Ampurias
a. a. O. 123 Abb. 45, 3).
Ausgehend von den Goldfunden von Felsözsid und Velem wird in Kapitel 4 unter
gleichzeitiger Vorlage ungarischer Goldfunde der Entwicklung der sog. Posamen-
teriefibeln und einem ihnen verwandten Kreis von Metallarbeiten ein nützlicher
Exkurs gewidmet. Ein 5. Kapitel beschäftigt sich mit der Chronologie, wobei auf
Grund des Inventars des 2. Hortes vom Säg-Berg der 1. Goldhort der jüngeren Ur-
nenfelderkultur zugewiesen wird. Das ist möglich, muß aber bei der offenbar langen
Dauer des Diademstiles (vgl. W. Kimmig a. a. O.) nicht so sein. Der Stufe Hall-
statt B werden auch die älteren Posamenteriefibeln und die ihnen verwandten, meist
aus Goldhorten bekannten Metallfunde zugerechnet. Dabei bleibt festzuhalten, daß
die Verbreitung der Velemer Golddiademe nicht über den stark westlich orien-
tierten, von Holste „ostalpin“ genannten Hortfundkreis hinausreicht. Bedauerlich ist
es, daß von Hort II des Säg-Berges nur die Schwerter abgebildet werden. Sonst
würde es sich erweisen, daß die in ihm, wie auch in dem als III bezeichneten Hort
vom 'Westhang des Säg-Berges vorkommenden „Mohnkopfnadeln“ diese Bezeichnung
nicht verdienen. Hier wie dort handelt es sich um ostalpine, großköpfige Vasenkopf-
nadeln (vgl. Prähist. Zeitschr. 1950, 309 Abb. 8, 14), die gleichfalls dem Holsteschen
„ostalpinen Kreis“ zuzurechnen sind.
Die Arbeit von A. Mozsolics bedeutet im ganzen ohne Zweifel einen großen Ge-
winn, nicht zuletzt wegen den wirklich ausgezeichneten Fundvorlagen, die auf 17
Tafeln zusammengetragen sind und die bei dem schwer zugänglichen Material eine
vorzügliche Arbeitsgrundlage abgeben.
Wolfgang Kimmig
Hermann Müller-Karpe: Hessische Funde von der Altsteinzeit bis zum frühen
Mittelalter. Schriften zur Urgeschichte, Band 2, Hessisches Landesmuseum Kas-
sel. Eiwert, Gräfe und Unzer Verlag, Marburg 1949, 70 S., 30 Textabb.
 
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