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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0033

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Jungsteinzeitliche Keramik von Obergrombach

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Jungsteinzeitliche Keramik von Obergrombach, Ldkrs. Bruchsal
und ihre Stellung im südwestdeutschen Neolithikum
In der Kraichgausenke, 6 km ostwärts vom Rand des Rheintalgrabens, auf dem
lößbedeckten, oberen Muschelkalk, liegt Obergrombach, Ldkrs. Bruchsal, am
Grombach, der nach Westen in die Pfinz ab fließt. In unmittelbarer Nähe liegt
der namengebende Fundort Michelsberg bei Untergrombach.
Die im folgenden vorgelegten Funde von Obergrombach, Flur Danzberg, stam-
men aus Grabungen des Hauptlehrers W. Bauer in den Jahren 1937 und
1938 1). Sie waren im Schloßmuseum Bruchsal aufbewahrt und wurden beim
Brand des Schlosses 1945 vernichtet. Das Landesdenkmalamt, Abt. Ur- und
Frühgeschichte in Karlsruhe besitzt einige Grabungsskizzen, deren Beschrif-
tung mit der der Fundstücke im Jahr 1938 nicht übereinstimmt, so daß eine
sichere Zuteilung der Fundkomplexe auf die Hüttenstellen und ,Abfallgruben“
nicht mehr möglich ist. Die Wiedergabe und die Bearbeitung der Funde erfolgt
nach Aufnahmen und Notizen, die ich dank der Freundlichkeit und dem Ent-
gegenkommen von Hauptlehrer Bauer 1938 machen konnte2).

Die Hüttenstellen
Ausgegraben wurden drei ,Hüttenstellen“: I, II und XXIII und zahlreiche
,Abfallstellen“. Die vorhandenen Pläne beziehen sich zweifellos auf die drei
Hüttenstellen. Sie zeigen das übliche Bild sogenannter Grubenwohnungen im
Lößboden. Die eine (Abb. 1, 1) zeigt um die flache, unebene Grube zwölf
Pfostenlöcher, die verbunden einen etwa 8 (7,5) : 10 m messenden, NNO-SSW sich
erstreckenden Grundriß ergeben, der sich nach Norden etwas verjüngt. Eine
schmale Ausbuchtung der Grube durchbricht die nördliche Breitseite. Die
andere Grube (Abb. 1, 2) hat vor allem im Hinblick auf die Ausbuchtung ähn-
lichen, jedoch etwas gedrungeneren Grundriß. Den Grubenrand begleitende
Pfostenlöcher fehlen, dagegen sind im Inneren zwei Pfostenlöcher zu erkennen
und eines dicht vor der Nordseite. Nach der Grabungsskizze setzte sich die Ver-
färbung des südlichen Pfostens auch in die Grubenfüllung hinein fort. Der Pfo-
sten ist also entweder jünger als die Hütte oder erst nach weitgehender Auf-
füllung der Grube vermodert. Der dritte Plan gibt einen Grundriß (Abb. 1, 3)
ähnlicher Größe wieder wie die beiden anderen, jedoch von abweichender
Orientierung. Pfostenlöcher wurden keine beobachtet.
Die Deutung solcher Gruben als Wohngruben hat neuerdings einen energischen
Widerspruch erfahren 3), der es nötig macht, trotz der mangelhaften Unterlagen,
auf die Frage ,Wohngrube‘ oder ,Lehmgrube“ kurz einzugehen. Der Hinweis,
daß viele urgeschichtliche Gruben mit Kulturschutt lediglich Materialgruben
waren, ist zweifellos berechtigt und darf bei der Deutung keines Grabungs-
befundes unberücksichtigt bleiben. Die Existenz urgeschichtlicher Gruben-

1) Erwähnt Bad. Fundber. 14, 1938, 14 und Ber. RGK. 28, 1939, 120. Der Fundort ist
dort kartiert S. 12, Karte 2, Signatur C 4. 47.
2) Die Negative befinden sich im Landesdenkmalamt, Abt. Ur- und Frühgeschichte
in Karlsruhe.
3) Paret, Das neue Bild der Vorgeschichte (1946) 54 ff.
 
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