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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0065

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Zur Frage der Rössener Kultur am südlichen Oberrhein

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oben 4)18). Sehr wahrscheinlich sind auch Scherben von Mundolsheim und
Lingolsheim (Taf. 14 unten 4—5; 14 oben 6—7) derselben Gattung zuzu-
rechnen.
Die Verzierung unserer Becher weist ebenfalls ganz bestimmte Züge auf. Bi-
schoffingen, Hausbergen und Mundolsheim besitzen eine eigenartige Reihung
von tönernen Nieten im Halsknick, die irgendwie an Nagelung, also an Metall-
technik erinnern. In Achenheim (Taf. 14 unten 7) sind diese Tonnieten durch
feine Einstichreihen ersetzt. Sehr beliebt ist ferner zonale Schnittrauhung bei
gleichzeitiger Aussparung von Winkeln und Dreiecken. Grundsatz ist dabei
die Möglichkeit zur Lesung von Positiv- und Negativmustern (Taf. 14 unten
1. 2. 4; 14 oben 4. 7).
Auffallend ist die starke Verwendung von Schnittechnik, wobei Fransen-
motive bevorzugt werden (Bischoffingen, Leiselheim, Achenheim, Lingolsheim).
Metopierung ist die Regel, in Lingolsheim (Taf. 14 unten 5) sind die Fransen
durch senkrechte Schnittlinien begrenzt und mit Zweig- und Leitermotiven
gefüllt. Bei großflächiger Schraffierung sind die Schnittlinien gelegentlich un-
terbrochen (etwa Mundolsheim, Taf. 14 oben 7; 14 unten 4). Ein flüchtig mit
Schnittlinien flächig bedeckter Scherben von Kronenburg (Elsaß) (Taf. 14
oben 5) zeigt versetzte Metopenbänder wie Lingolsheim und wirres Gezweig.
Daß es sich bei all diesen Gefäßen um eine keramische Sondergruppe handelt,
leuchtet sofort ein. Was ihre Verbreitung anbelangt (A. Stroh a. a. O. 58
Karte 8), so finden sich ihre Vertreter wiederum im Straßburger Raum und im
Kaiserstuhl. Dies läßt vermuten, daß unsere Gruppe mit zu den Erscheinungen
gehört, die während der jüngeren Rössener Phase in diesem Gebiet wirksam
geworden sind. Der Gefäßtyp als solcher mutet zunächst etwas fremdartig an.
Es kann jedoch wohl kein Zweifel bestehen, daß es sich um ein Derivat des
Altrössener Kugelbechers etwa der Form Stroh a. a. O. 17 Typentafel 1 a
handeln muß. Die Verzierung ist in eigenartiger Weise aus älteren und jün-
geren Elementen zusammengesetzt. Tonnieten bzw. Knöpfe gibt es bereits in
der älteren Rössener Kultur (Stroh a. a. O. Taf. 1, 7; 6, 10; 24, 30). Stroh
möchte dabei an Bindungen zu Siebenbürgischer Linsenkeramik denkent9),
deren Gefäßformen in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Bechern
besitzen. Allerdings sind sie stets gehenkelt. Schroller selbst ist sich über die
Entstehung dieser merkwürdigen Zier, deren Technik im übrigen von der am
Oberrhein geübten abweicht, nicht schlüssig. Er hält für möglich, daß die
Theißkultur bei ihrer Ausbildung Pate gestanden hat. Bei dem Fehlen aller
Zwischenglieder möchte man jedoch eher an Konvergenzerscheinungen denken,
auch ist die siebenbürgische Linsenkeramik sicher jünger als die Bischoffinger
Gruppe20). Bei dem Becher von Achenheim sind die Tonnieten durch feine,
senkrecht gestochene Bänder ersetzt, die stark an Verwandtes in der Wau-
wiler Gruppe erinnern (vgl. Jechtingen Taf. 7, B 5; Niedereggenen Taf. 9, 7—10;

iS) Bischoffingen (Freiburg): Bad. Fundber. II, 1929—1932, 193 ff. Abb. 78/79; W. Butt-
ler, Handbuch 2, 87, Taf. 23, 2. — Achenheim (Straßburg): Anz. Elsäss. Alter-
tumskde. 17, 1925/26, 282 ff. Abb. 183, C. — Fort Hausbergen (Straßburg): Ebenda
13, 1922, Taf. 4, F.
is) H. Schroller, Die Stein- und Kupferzeit Siebenbüi’gens (Vorgesch. Forsch. 8, 1933,
35 ff. Taf. 29, 14; Taf. 30/32).
20) Echte Nachahmungen von Bronzenagelung, die für die Gruppe Bischoffingen doch
wohl kaum in Anspruch genommen werden darf, gibt es mehrfach im ostalpinen
Hallstattkreis (Strena Praehistorica, Festschrift Martin Jahn 165, Ch. Pescheck).
 
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