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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0070

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W. Kimmig

axtkultur als solcher (Mitteldeutschland—Südrußland oder gar ein gemein-
sames drittes Ausgangsgebiet) Stellung nehmen zu wollen5), sei hier jedoch
festgestellt, daß alle Funde des oberrheinischen Raumes im weitesten Sinne
nur mit dem Blick auf Mitteldeutschland verstanden werden können.
Der kleine Leiselheimer Siedlungsfund, von dem unsere Betrachtung ausging,
verlangt jedoch auch die Beantwortung der Frage, wie das auffällige Aus-
bleiben von Funden dieser Kulturgruppe im Gesamtgebiet des südlichen Ober-
rheins zu erklären ist. Dies mit denkmalpflegerischen Zufälligkeiten zu be-
gründen und den Leiselheimer Fund gewissermaßen an den Anfang einer sich
noch einstellenden Reihe ähnlicher Funde zu setzen, hieße dieses Problem in
nicht zu rechtfertigender Weise vereinfachen. Bis jetzt mußte es so scheinen,
als habe sich die Streitaxtkultur bewußt ihren Weg östlich des Schwarzwaldes
vom oberen Neckartal aus über die Alb und den Hegau nach der Schweiz
gesucht, um gewissen, gleichfalls spätneolithischen Gruppen im südlichen Ober-
rheintal auszuweichen. Von diesen wären etwa die Gräber mit Scheibenringen
oder solche mit spitznackigen Feuersteinbeilen vom Typus Glis-Weisweil,
endlich die megalithischen Anlagen von der Art des Heidensteins bei Schwör-
stadt, Ldkrs. Säckingen, zu nennen6). Alle diese Gruppen müssen durch die
Burgundische Pforte in das südliche Oberrheintal eingedrungen sein. Ihr zeit-
liches und kulturelles Verhältnis zueinander steht noch nicht fest, jedoch
scheint kein Zweifel zu bestehen, daß sie in den gleichen Zeitraum gehören
wie die Streitaxtkultur. Man hätte sich vorstellen können, daß diese Gruppen,
die alle den Schwarzwald anscheinend nicht überschritten haben, einen solchen
Einfluß und ein solches Gewicht besaßen, daß es die Streitaxtkultur vorzog,
einen anderen Weg zu nehmen.
Der Leiselheimer Fund scheint solchen Überlegungen nur scheinbar zu wider-
sprechen. Die stichgefüllte Bogenzier seiner Tonware weist unmittelbar in die
Schweiz, wo sich etwa auf der Insel Greng, Kt. Freiburg i. Üchtland, in Roben-
hausen, Kt. Zürich, oder auf dem Thurberg bei Weinfelden, Kt. Aargau, nahezu
identische Stücke wiederfinden7). Auch der Utoquai bei Zürich hat Scherben
dieser Zierweise erbracht8). Fühlbar anders ist dagegen ein Scherben von
Urmitz, Kr. Koblenz. Diese Schweizer Bogenzier ist hier derart verankert, daß
sie noch von den nur wenig späteren Frühbronzezeitgruppen in fast gleicher
Weise übernommen wird9) Der Leiselheimer Fund muß also eng mit der
Schweiz Zusammenhängen, und es geht wohl nicht an, ihn etwa als einen
ersten Vertreter der Neckar- oder Maingruppe am südlichen Oberrhein an-
zusprechen.
Abschließend noch einige Worte zur Zeitstellung der Leiselheimer Scherben.
Es besteht im allgemeinen wohl kein Zweifel, daß die süddeutsche und wohl
auch die schweizerische Schnurkeramik ganz ans Ende des Neolithikums ge-
hört. Hier spricht vor allem der Grabfund von Kelsterbach (Starkenburg) mit

5) Vgl. aber auch P. Reinecke, Ein Kupferfund der Dolmenzeit aus Jütland (Mainz.
Zeitschr. 24/25, 1929/30, 63). — I. E. Forssander, Der ostskandinavische Norden
während der ältesten Metallzeit Europas (Lund 1936).
6) Zu diesen Fragen etwa G. Kraft in Bad. Fundber. I, 1925—1928, 225 ff.
7) H. Reinerth, Die jüngere Steinzeit d. Schweiz 146 Abb. 52, 1. 3. 4. 7. 8; — G. u.
A. de Mortillet, Musee prehistorique (1881) Taf. 56, 538.
«) Germania 18, 1934, Taf. 12, 10. 12.
9) E. Vogt in Jahresber. Schweiz. Landesmuseum 45, 1936, 76 ff. Abb. 2, 1. 8. 9.
 
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