Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0086

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
82

W. Kimmig

Fundstelle liegt auf dem Grundstück 2873/6 am Westausgang des Ortes dicht südlich
der Kanalstraße.
Grab 1 (Taf. 20, unten)
2,4 m lange, 1,25 m breite, aus großen Rollsteinen aufgebaute Steinkiste (Taf. 20 a,
1). Orientierung NW-SO. Dm. im Lichten 1,8 zu 0,75 m. Die Grabsohle war mit
flachen Rollsteinen gepflastert und lag 0,95 m unter der Oberfläche. Höhe der Kiste
im gut erhaltenen Nordwestteil noch rund 0,6 m; 0,5 m war sie in den gewachsenen
Boden eingetieft. Die Steine waren an den Längsseiten hart gegen die Wände der
Grabgrube gesetzt, nur an den Schmalseiten zeigte sich eine geringe Hinterfüllung
(Taf. 20 a, unten). Wie zahlreiche inkohlte Holzspuren (Eiche!) entlang den Innen-
rändern der Steinkiste zeigten, muß ein Holzeinbau vorhanden gewesen sein. Dieser
brach allmählich zusammen, wobei die Steinabdeckung in das Innere der Kiste
stürzte und hier die Beigaben zertrümmerte. Über das ganze Bodenpflaster zerstreut
fanden sich zahlreiche, jedoch oft nur stecknadelkopfgroße Partikel von Leichenbrand.
Dieser ist offenbar planmäßig über die Grabsohle ausgestreut worden. Die Scherben
von vier Beigefäßen lagen wirr durcheinander, ihre Standplätze im einzelnen
konnten nicht beobachtet werden. Die Reste des Goldblechs lagen etwa in der Mitte
des Grabes.
Funde:
1. Mehrere Scherben eines größeren Trichterhalsgefäßes, stark ergänzt, Profil nicht
ganz gesichert. Kurzer, ausgelegter Schrägrand, noch nicht scharf gekantet; Trichter-
hals, auf Schulter Kerbleiste, von feinem Rillenband gesäumt. Auf dem Gefäß-
körper horizontale Rillenbänder mit stehenden (?) und hängenden, gefüllten Drei-
ecken. Andeutung eines umrillten Buckels erhalten. Feintonig, gelbbraun, H. etwa
24 cm, Randdm. 17,2 cm (Taf. 19, 1). — 2. Henkelbecher mit breitem Trichterrand,
Henkelansatz vorhanden, Rand im ganzen scharf abgesetzt, wenn auch innen ohne
Kante, anscheinend unverziert, gelbbraun, feintonig, erh. H. 6 cm, Randdm. 14,4 cm
(Taf. 19, 3). — 3. Schale mit geknickter Wandung, graubraun, feintonig, erh. H. 4,4 cm,
Randdm. 16 cm (Taf. 19, 2). — 4. Randstück eines kleinen, steilwandigen Schäl-
chens (?), Form ungewiß, braun, feintonig, erh. H. 3,6 cm, Randdm. 14 cm (Taf.
19, 4). — 5. Sieben Bruchstücke aus sehr dünnem Blattgold. Reste von feinen Rip-
pen, Leitermuster- und Kreisaugenverzierung. Alles über einen Model gepreßt. Nach
Analogien (vgl. Taf. 19, 6—8) sicher zu einem „Diadem“ gehörig. L. schätzungsweise
zwischen 20 und 24 cm (Taf. 19, 5).
Grab 2:
Ein Jahr später, im April 1950, stieß Maurer Benz bei Anlage einer Grube etwa
10 m nordwestlich von Grab 1 auf ein zweites Grab in gleicher Bauart, das aller-
dings stark zerstört war.
Etwa 2 m lange und 0,85 m breite Grabgrube, die wie die von Grab 1 mit Roll-
steinen umpackt gewesen sein muß. Grabsohle 1,15 m unter der Oberfläche. Orien-
tierung NW—SO. Von einem Holzeinbau konnten keine Spuren mehr nachgewiesen
werden, jedoch muß auch in diesem Fall ein solcher vorausgesetzt werden. Zwi-
schen den wahllos in der Grabgrube liegenden Rollsteinen lagen Scherben von min-
destens fünf, z. T. stark verbrannten Gefäßen, wenige Bröckchen Leichenbrand, vor
allem in der NW-Ecke und ein kleines Stück zerschmolzener Bronze.
Funde:
1. Zahlreiche Scherben eines stark zertrümmerten, großen Trichterhalsgefäßes mit
waagrecht abgestrichenem Rand und flach, aber deutlich ausgeprägtem Schulter-
feld, das von drei Horizontalrillen gesäumt wird. An diesem hängen Systeme
kleinerer und größerer Zickzack-Bildungen, die durch Schrägstrichgruppen getrennt
sind. Auf dem Umbruch mehrere rundlich-ovale Buckel von etwa 6,3 cm Dm., die
lediglich auf der Außenseite durch Umriefen herausgehoben sind. Unterteil zerstört,
möglicherweise gehört jedoch der ziemlich flache, durch Brand allerdings stark ver-
änderte Bodenteil (Taf. 20 a, 6) dazu. Feiner Ton, durch Quarzstückchen etwas grob
gemagert, schwarzbraun, erh. H. 16 cm, Mü. Dm. 26 cm (Taf. 20 a, 5). — 2. Nahezu
flach stehendes, zweifach abgekantetes, breites Randstück etwa einer tiefen Schale,
feiner Ton, schwarzbraun, innen und außen gut geglättet, Mü. Dm. 28 cm (Taf.
 
Annotationen