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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0092

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W. Kimmig

(Taf. 19, 6. 8)20) mit dem von Pfullendorf, so bestehen zwar gewisse formale
Unterschiede in der Anordnung der einzelnen Ziermotive, jedoch bleibt sich die
Musterkarte im wesentlichen gleich. In fast eintöniger Weise werden konzentri-
sche Kreisstempel mit verschieden breiten Kerb- bzw. Leiterbändern kombiniert,
dazu treten gelegentlich Zickzackmotive und säumende Linien. Es ist dies ein
Ornamentbestand, der an den verschiedensten Materialien urnenfelderkulturel-
ler Prägung im nordwestalpinen Raum zu beobachten ist. Im Falle der Diademe
besteht wohl kein Zweifel, daß die Stücke von Binningen, Pfullendorf und Pa-
seka einem Werkstattkreis entstammen müssen.
Wie solche „Diademe“ getragen worden sind, entzieht sich vorläufig genauerer
Beurteilung. Das Blattgold, dessen zartes Relief gestanzt bzw. durch einzelne
Model von der Rückseite her gepreßt worden ist, erscheint zu dünn, um ohne
Unterlage verwandt worden zu sein. Man kann gleicherweise an Leder wie an
Bronzeplatten denken, wie solche etwa an den eng verwandten Diademen von
Velemszentvid beobachtet werden konnten21). Randliche Löcher, die A. Moz-
solics einleuchtend als Haltelöcher für eingehängte Zierrate, etwa Goldscheiben,
erklärt, fehlen infolge starker Randaussplitterung bei allen drei Diademen.
Was die Verbreitung solcher Diademe anbelangt, so hat A. Mozsolics auf Un-
garn verwiesen (a. a. O 24). Sie stützt sich dabei auf G. v. Merhart, der als An-
regung für solche Goldarbeiten einen Ort für wahrscheinlich hält, der „kaum
anderswo denn im Osten gesucht werden kann“ 22). Nach A. Mozsolics ist als
Quelle solcher Arbeiten letztlich Mykenä anzusehen, wo es mehrfach Diademe
verwandter Art gibt, die allerdings rund ein halbes Jahrtausend früher anzu-
setzen sind2S). Aber schon A. Mozsolics muß feststellen, daß es Diademe un-
serer Art und verwandte Goldscheiben nur am Westrande des westungarischen
Dunantul gibt. Die im ostungarischen Alföld und in Siebenbürgen zu Tage ge-
kommenen Goldfunde sind durchaus anderer Art. Die Goldscheiben des weit
östlich in der Walachei geborgenen Fundes von Cofalva24) weichen mit ihren
fortlaufenden Tangentenspiralen sichtbar ab, sind auch wesentlich älter. Man
möchte als Ausgangspunkt solcher Arbeiten letztlich den neolithisch spiral-
keramischen Kreis (z. B. Butmir) ansehen, der sowohl für mykenische wie für
gleichzeitige nordische Erscheinungen (Mont. II) verantwortlich gemacht werden
muß.
Unbeschadet der östlichen Wurzel der Urnenfelderkultur möchte man heute
eher glauben, daß die Werkstätten unserer Diademe und verwandter Arbeiten
im südwestmitteleuropäischen Raume gelegen haben, zumal wenn man, rein
stilistisch, auch Produkte aus anderem Werkstoff (Bronze, Keramik, Knochen)
mit einbezieht.

20) Binningen, Kt. Basel: Anz. Schweiz. Altertumskde. NF. 29, 1927, 86, Taf. 14, 4. _
Paseka (Böhmen): Ebert RL. 2, 84, Taf. 35 (mit weiterer Lit.).
21) A. Mozsolics, Der Goldfund von Velemszentvid (Praehistorica 1) 7, Taf. 1, 1 a.
lb; 3, 29.
22) G. v. Merhart, Urnengrab mit Peschierafibel aus Nordtirol (Schumacherfestsehr. 118).
23) G. Karo, Schachtgräber von Mykenä, Taf. 36—39.
24) A. Mozsolics a. a. O. Taf. 8, 8—9. 11—12.
 
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