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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0159

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Eine Dorfanlage des frühen Mittelalters bei Merdingen

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Pfosten des Vorsprungs stehen gelassen. Der Boden der tieferen Innengrube war mit
einer bis zu 0,1 m dicken, grau-gelb gefleckten, ebenen und festen Lehmschicht be-
deckt. Die Einfüllung war braun und kiesig und an den Rändern verlehmt. Pfosten-
löcher von 0,3'—0,4 m Dm. und 0,7—1 m Tiefe befanden sich an allen acht Ecken
des Baues; weitere drei Pfostenlöcher lagen am SW-Ende der unteren Grube (Tiefe
1,2—1,35 m) und eines am östlichen Drittel des Grubenvorsprungs. Vor der SW—
Seite der Grube, parallel zu ihr, und mit größter Wahrscheinlichkeit zum Bau ge-
hörig, lagen abermals drei größere Pfostenlöcher (Dm. bis 0,55 m). Eine eindeutige
Rekonstruktion des Überbaues und des Daches scheint nicht möglich zu sein, da der
nordöstliche Vorbau und das wahrscheinlich vorhandene Vordach die Frage der
Firstauflage unklar läßt. Die Abtreppung des Hüttenbodens entspricht etwa der der
Hütte 56 (s. o., Taf 29, 60).
Hütte 61. Es hat den Anschein, als ob die Anlage ihren Ursprung in einer recht-
eckigen Eintiefung von 4,5:3,3 m (Tiefe 0,75 m) nach dem Schema des Sechspfostenhau-
ses hatte. Zwei Eckpfosten und Firstpfosten der südöstlichen Schmalseite und ein Eck-
pfosten und Firstpfosten der ursprünglichen NW:Seite sind gesichert. Die Nordecke
der Grube wurde in die Erweiterung und Vertiefung des Hüttenbodens einbezogen.
Die bis zu 1,1 m tiefe Grube mißt 3,8 :2,3 m. Zwei Pfostenlöcher an der nordöstlichen
Außenseite könnten als Eckpfosten der tieferen Grube angesprochen werden, denen
huf der Innenseite einige der gereihten Pfostenlöcher (vielleicht als Stützen einer
Zwischenwand) entsprechen. Nordwestlich der etwas vorspringenden Osthälfte der
nordwestlichen Schmalseite schließt sich weiterhin eine etwa rechteckige, von vier
Eckpfosten begrenzte 0,75 m tiefe, also wieder flachere Grube von 1,25 m Länge und
2 m Breite an, die vielleicht den Vorraum des Hauses bildete. Die Pfostenlöcher
hatten einen durchschnittlichen Durchmesser von 0,2—0,3 m und eine Tiefe von
0,8 m; diejenigen an der Nordwestseite einen solchen von ca. 0,4 m und eine Tiefe
bis zu 1,1 m. Verbindet man das gleichgroße Pfostenloch an der verlängerten Süd-
westseite mit den beiden an der Schmalseite der tieferen Grube, so würde sich ein
rechteckiger Bau von ca. 5,3 : 3,5 m ebenfalls nach dem Schema des Sechspfosten-
hauses ergeben, an dessen NW-Seite entweder ein Vorbau oder eine überdachte
Vorhalle mit etwas eingetieftem Boden zu denken wäre. Das Hausinnere war wie
bei 56 und 60 verschieden hoch.
Die Einfüllung der tieferen Grube ist schwarzgrau gegenüber der graubraunen,
teilweise verlehmten Füllerde der größeren Grube und des Vorbaues; in ihr fanden
sich einige Scherben und Tierknochen (Taf. 29, 61).
Hütte 44. Die Anlage besteht aus der üblichen Rechteckgrube von 3,6 :2,2 m und
0,6 m Tiefe. Mit vier Eckpfosten von 0,3—0,4 m Dm. und bis zu 0,9 m Tiefe herab-
reichend. In der Mitte der Langseiten befanden sich noch je ein Pfostenloch von
nur 0,15 m Dm. und ca. 0,65 m Tiefe und an der südöstlichen Schmalseite zwei Pfo-
stenlöcher, zwischen denen sich die Verfärbung der Einfüllung nach außen (Ein-
gang?) fortsetzte. Das Pfostenloch außerhalb der Nordecke reichte bis etwa zum
Hüttenboden. Im Innern der Grube lag eine Feuerstelle (Herd), die parallel zur
Längswand mit beiderseits je einer Steinreihe eingefaßt war und dazwischen bei
dunkler Einfüllung Holzkohlen und gebrannte Lehmbrocken aufwies. Die Anordnung
der rund 40 cm starken Pfostenlöcher parallel zu den NW-, SO- und SW-Seiten der
Grube spricht durch ihre Regelmäßigkeit für einen An- oder Vorbau mit Stütz-
pfosten im Innern und einem Hüttenboden zu ebener Erde. Die von Kraft und Un-
ser vorgeschlagene Ergänzung ist wahrscheinlich und ließe eine Deutung der An-
lage als Wohnbau und Wirtschaftsraum zu (Taf. 29, 44).
Hütte 52. Das Kernstück der Anlage bildet eine Rechteckgrube 3 : 1,8 m und 0,6 m
Tiefe mit vier Eckpfosten (Dm. 0,2 m und Tiefe 0,8 m) und einem Pfostenloch an
der NW-Seite, 0,6 m vom Eckpfosten entfernt (Eingang?). Die Einfüllung der Grube
war im NW lehmiger Sand, im SO fette, schwarze Erde. Im Südviertel war die Ein-
füllung mit Holzkohlen und gebrannten Lehmbrocken durchsetzt, doch fehlten pri-
märe Reste einer Feuerstelle.
Parallel der Längswände und der nordöstlichen Schmalseite wurden eine Reihe
Pfostenlöcher (Dm. 0,4—0,5 m) bis 0,7 m Tiefe festgestellt, die vielleicht zu einem
größeren Umbau der ergänzten Art gehört haben mögen, wobei das Einschneiden
des nördlichen Eckpfostens der Grube in eine der größeren Pfostenlochfüllungen für
ein zeitliches Nacheinander von Umbauung und Vierpfostenhütte sprechen würde
(Taf. 29, 52).
 
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