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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0164

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F. Garscha, K. Hammel, W. Kimmig, G. Kraft (f), E. Schmid

Siedlung mit einer Zweipfostengrube mit den beiden Pfosten in der Mitte der
Schmalseiten und eine Sechspfostenhütte. Die Zweipfostenhütte wäre nach der
Beschreibung mit dem Typus der karolingischen Grubenhäuser (s. u.) identisch..
Die Sechspfostenhütte begegnet schließlich noch in Mannheim, Stadtteil Wall-
stadt. Charakteristisch für die Hausform ist die Pfostenstellung: es handelt sich
um zwei Firstpfosten und vier Wandpfosten, die jedoch nicht in den Ecken der
Hausgrube stehen, sondern etwa 1 m von den Ecken nach der Wandmitte zu
eingerückt sind.
Über die Hausform und Siedlungsweise der alamannisch-fränkischen Zeit lie-
gen bisher keine archäologischen Untersuchungen vor. Die Siedlung von Brei-
sach, Flur Kinkelrain14), ist noch nicht untersucht. Die vier Wohngruben im
Bereich des alamannischen Gräberfeldes von Sasbach (Ldkrs. Emmendingen)15)
hatten quadratische Form; sie ergaben jedoch keinerlei Anhaltspunkte für die
Hausform. Das von H. Stoll10) in Hailfingen untersuchte Haus ist in seiner
Zeitstellung nicht gesichert.
Von größerer Bedeutung für unsere Betrachtung erwiesen sich die 17 karo-
lingischen Grubenhäuser von Breisach, Stadtteil Hochstetten 17) und Mannheim,
Stadtteil Hermsheim18). In beiden Siedlungen begegnet regelmäßig das Gru-
benhaus mit den beiden Pfostenlöchern an den Schmalseiten (Firstpfosten) von
3,5—4 m Länge, 2—2,5 m Breite und bis zu 1,3 m Tiefe (in Hermsheim z. T.
noch tiefer). Weder in Hochstetten noch in Hermsheim konnten Stakenlöcher
von der Lehmflechtwänd festgestellt werden, wie sie in Oberbillig (Ldkrs.
Trier)le) Vorkommen. Dieses Grubenhaus mit nur zwei Firstpfosten scheint
schon in den neckarswebischen Siedlungen von Mannheim, Stadtteil Secken-
heim und Wallstadt im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. vorgebildet zu sein. Es
lebt aber offenbar im Grundriß unserer Merdinger Hütte 42 (s. o.) noch fort,
mit dem Unterschied, daß hier die Zweipfostengrube im Innern eines etwas
größeren Pfostenhauses liegt. Es muß dahingestellt bleiben, ob dies einzige
Vorkommen in Merdingen zu dem Schluß berechtigt, ganz allgemein ein Fort-
leben des karolingischen Zweipfosten-Grubenhauses anzunehmen. Einmal be-
gegnet es auch in der fränkischen Siedlung von Gladbach bei Neuwied20), auf
die wir unten noch näher einzugehen haben. Dieser Haustyp scheint allgemein
verbreitet zu sein, begegnet er doch ebenso in Oberbillig (Ldkrs. Trier), wie
auch im sächsischen Gebiet in Sahlenburg bei Cuxhaven (6.—8. Jahrhundert),
und in einer ganzen Reihe von Häusern in Sutten-Courtenay in Berkshire
(England)21). Von hier aus ergeben sich auch Übereinstimmungen mit den
jüngsten erfaßbaren, sächsischen Grubenhäusern von Ezinge bei Groningen
(Holland)22). Die sächsischen Vorkommen sind vermutlich alle älter als die süd-
und westdeutschen.

u) Bad. Fundber. III, 1933—1936, 389 (Kraft).
>5) Bad. Fundber. 16, 1940, 36.
i°) Fundber. Schwaben N. F. 8, 1933—1935, 152 und H. Stoll, Die Alamannengräber
von Haifingen (1939) 3.
17) Bad. Fundber. III, 1933—1936, 285 ff. (K. Naß),
is) Bad. Fundber. 14, 1938, 30; 15, 1939, 32 f.
m) s. Anm. 11.
20) Germania 22, 1938, 181 (K. H. Wagner).
21) H. Schroller u. H. Reinerth, Geschichte der Deutschen Stämme 1, 1940, 131 ff.
22) Germania 20, 1936, 42 u. Beilage 2, 1—2 (A. E. van Giffen, Die Warf in Ezinge, Prov.
Groningen, Holland und seine westgermanischen Häuser).
 
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