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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0170

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F. Garscha, K. Hammel, W. Kimmig, G. Kraft (t), E. Schmid

lungsformen handelt. Auf den bestehenden Widerspruch bzw. das sich-Aus-
schließen von Einhaus- und Vielhaussystem hat Fr. Maurer43) unter Berück-
sichtigung des Gesamtbefundes von Merdingen bereits hingewiesen, wenn er
die „Urform“ des sogenannten westgermanischen Wohnstallhauses im ala-
mannischen Bereich nicht als die erste bezeichnet. Es kann in diesem Zusam-
menhang weder untersucht noch gar entschieden werden, wie der Ablauf der
Entwicklung sich vollzogen hat. Diese Frage läßt sich wahrscheinlich nur mit
weiteren Ausgrabungen von frühmittelalterlichen Siedlungen oder mittelalter-
lichen Wüstungen klären, wobei wir immer das Quantitätskriterium im Auge
behalten müssen. Nur eine Vielzahl einwandfreier Ausgrabungsbefunde aus
einem Zeitraum von fast anderthalb Jahrtausenden und in einem historisch
kontinuierlich (von Germanen) besiedelten Gebiet vermögen die Hausforschung
aus ihrer bisherigen Dogmatik zu befreien.
III.
Die Keramik und andere Kleinfunde.
Die Keramik. Die Ausbeute an keramischem Material kann bei den über
hundert Fundstellen nicht eben groß genannt werden. Es handelt sich nahezu
ausschließlich um Scherbenfunde, von denen jedoch nur ein geringer Teil zur
Formbestimmung und damit zu typologisch - chronologischen Erörterungen
herangezogen werden kann. Wenn hier trotzdem eine Gruppierung versucht
worden ist, so deshalb, weil einmal derartige Untersuchungen am Oberrhein
noch ganz fehlen, ein Zustand, der außerordentlich zu bedauern ist, und zum
andern darum, weil eine exakte Datierung der Merdinger Siedlung nur aus
den Kleinfunden möglich ist.
Die Scherben stammen in der Hauptsache aus der Füllmasse der Hütten selbst.
Der größte Fund konnte in der Doppelhütte 47 gemacht werden, die Ausbeute
betrug hier Teile von acht bis zehn Gefäßen. Die übrigen Anlagen enthielten
selten mehr als zwei bis drei verwertbare Scherben; Einzelscherben begegnen
außerdem in dem zwischen den einzelnen Hütten liegenden Gelände und den
Brunnen.
Die wissenschaftlich auswertbare Scherbenmenge ist im ganzen überaus ein-
heitlich, trotzdem überrascht die Variationsbreite innerhalb der einzelnen Ge-
fäßgruppen, was vor allem in der Randbildung zum Ausdruck kommt. Neben
den an Zahl überwiegenden Töpfen aller Art finden sich gewisse Spezialformen
wie Henkelkrüge, Becher, Schüsselchen, Leuchter und Kacheln. Der im folgen-
den gegebene Gruppierungsversuch stützt sich vornehmlich auf die Randbil-
dung der Töpfe, die in besonderem Maße einem Formenwandel unterworfen
sind. Dabei ist allerdings zu beachten, daß unverkennbare Übergänge, die zwi-
schen den Reihen 1—9 vorhanden sind, einer klaren Abgrenzung im einzelnen
entgegenstehen. Voraussetzung bei der Aufstellung der Formenreihen war
deren Vorkommen schon im keramischen Bestand der Karolingerzeit, wie es
besonders L. Hussong gezeigt hat44). In den ottonischen Funden von Mann-
heim, Stadtteil Seckenheim und Ladenburg werden die im Grunde gleichen

43) Fr. Maurer, Nordgermanen und Alemannen, Arbeiten vom Oberrhein 1, 1942, 152.
44) L. Hussong, Frühmittelalterliche Keramik aus dem Trierer Bezirk, Trier. Zeitschr.
11, 1936, 75 ff., Taf. 4, Abb. 2, 12. —• Ders.: Herstellungsorte und Datierung der
karolingischen Keramik im Rheinland, Bericht über die Kieler Jahrestagung
der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ 1939 (1944) 179 ff.
 
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