Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0180

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
176

F. Garscha, K. Hammel, W. Kirnmig, G. Kraft (t). E. Schmid

läßt sich deren Datierung nur in karolingische oder spätere Zeit vornehmen65)>
Aus der Karolingerzeit haben sich in dem 863 zerstörten, aber sicher ins 8.
Jahrhundert zurückreichenden Dorestad Hufeisen der Merdinger Form ge-
funden 66), die anzeigen, daß der Gebrauch von Hufeisen mindestens nicht ganz
unbekannt gewesen ist. Die erste literarische Erwähnung von Hufeisen gibt
das um 930 entstandenen Walthari-Lied (V, 1203), wo vom Schall eisenbeschla-
gener Hufe gesprochen wird. Die ältesten dargestellten Hufeisen finden sich in
der Buchillustration schon im 9. und 11. Jahrhundert, in Deutschland um
115 0 67), in der Monumentalkunst endlich beim Bamberger Reiter aus der Mitte
des 13. Jahrhunderts.
Die Merdinger Hufeisen entsprechen ihrer Form nach genau denen des Bam-
berger Reiters. Sie sind auffallend klein, dabei dünn und leicht. Es ist dies
eine Eigentümlichkeit, die sie mit allen Hufeisen dieser Zeit gemeinsam haben.
Obgleich es sich auch bei den Hufeisen von Merdingen nur um Streufunde
handelt, ist ihre zeitliche Zugehörigkeit zur Siedlung wahrscheinlich, zumal ja
auch das Pferd (s. u. IV.) nachgewiesen ist.
Das Bronzebeschläg endlich (Taf. 32, 14) stammt wohl von einem Holzkästchen
oder Holzeimer. Das Palmettenmotiv in seiner nüchternen trockenen Form
findet sich zahlreich in gleichzeitiger Buchmalerei, vereinzelt auch im Kunst-
gewerbe dieser Zeit.
Excurs über Basel - Riehen.
In Band 5, 1943, Heft 3, 138 ff. der Zeitschrift für Schweizerische Archäologie
und Kunstgeschichte (ZAK.) hat R. Laur-Belart über ein Gefäßdepot berichtet,
das in einem ausgemauerten Raum von 0,85 zu 0,95 m Dm. unmittelbar unter
dem Boden der karolingischen Kirche von Basel-Riehen untergebracht war.
Etwa die Hälfte der ursprünglich vorhandenen zwanzig Töpfe waren bei einem
späteren Einbruch zerstört worden.
Es wird hiermit zur Diskussion gestellt, ob das Riehener Gefäßdepot nicht etwa
bei der 917 erfolgten Zerstörung Basels durch die Ungarn vergraben worden
ist. Zu diesem Zwecke müßte allerdings der Fußboden der karolingischen
Kirche durchstoßen worden sein, was aus der Veröffentlichung jedoch nicht
ersichtlich ist. Daß spätere Eingriffe aber stattgefunden haben, geht aus der
von Laur ausdrücklich festgestellten späteren Beraubung hervor.
Von den zwölf erhaltenen Riehener Randstücken sind Abb. 17, 1. 2 unver-
stärkt, Abb. 17, 3. 4 wenig verstärkt, Abb. 17, 5 besitzt eine Andeutung der
Lippenform, Abb. 17, 6—8 sind schräg abgestrichen und Abb. 17, 10—12 ge-
hören der lippenähnlichen Form an. Dabei ist bemerkenswert, daß die Haupt-
formen der Merdinger Tonware (Reihen B, C und G) (Taf. 30) in Riehen nur
in verflauter Form erscheinen, so daß der einfache Rand unserer Formen-
reihe A hier auf den ersten Blick als vorherrschend erscheint.
65) Vgl. hierzu Fr. Winkelmann, Über das Hufeisen, Germania 12, 1928, 135 ff. mit
Zusammenstellung der einschlägigen Literatur. — In jüngster Zeit wurde die
Frage der Hufeisen von britischer Seite behandelt: Gordon Ward, The Jron Age
Horseshoe and its Derivatives, The Antiquaries Journal 21, 1941, 9—27 und er-
gänzend und berichtigend J. Ward Perkins, The Jron Age Horseshoe, The Anti-
quaries Journal 21, 1941, 144—149. Unter den datierten Funden der letztgenann-
ten Abhandlung erscheinen diese kleinen Hufeisen mit gewelltem Rand für die
Zeit vom 10./11.—12. Jhdt.
6<i) Outheidkundige Mededeelingen 11, 1930, 78 Abb. 61, 61—62.
87) Etwa W. Pinder, Kunst der deutschen Kaiserzeit 244.
 
Annotationen