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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0347

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Buchbesprechungen

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besprochen habe, ergänzt in willkommener Weise die a. a. O. 188 genannten Straß-
burger Beispiele. Grab IV ist etwa ins 1. Drittel des 1. Jhdts. n. Chr. anzusetzen,
nicht später, und Grab I wird nicht viel jünger sein. — Eine weitere Fibel dieser
Gattung, leider einen Einzelfund wohl aus einem zerstörten Grab, bringt H. U1 -
rieh (Heft 129, S. 183) aus Sufflenheim, östlich Hagenau.
Rolf Nierhaus.
Georg Kraft: Der Urmensch als Schöpfer. Die geistige Welt des Eiszeitmenschen.
264 S., 88 Abb., 1. Aufl. Tübingen 1942, 2. unveränderte Aufl. Tübingen 1948.
Aus all dem bisher Gefundenen und Beobachteten des Paläolithikums versucht der
Verf. das zu erkennen, was am paläolithischen Menschen das typisch Menschliche
ausmacht, d. h. worin sein frühestes, sein primitivstes Tun sich vom Tun des Tieres
unterscheidet und zum Ur-Stand unseres eigenen Tuns gehört. Indem Kraft das
Spezifisch-Menschliche so weit zurück verfolgt, wie es bis jetzt überhaupt möglich
ist, versucht er den Anfang menschlichen Geistwirkens zu erkennen und die
schöpferische Kraft im Menschen, die ihn aus der übrigen Natur herausstellt und
ihn zum Beherrscher der Natur macht. Im Bewußtstein der Schwierigkeit dieser
Aufgabe unternimmt der Verf. hierfür neuartige Untersuchungen.
Zunächst war die Urzeit mit dem Urmenschen: das Altpaläolithikum; dann folgte
die Frühzeit mit dem Frühmenschen (homo sapiens): das Jungpaläolithikum.
Dem Urmenschen wird der größte Teil des Buches gewidmet, vor allem dem Ne-
andertaler. Ein Teil dessen Lebens- und Verhaltensweisen ist aus den zahlreichen
Funden von Geräten, von Wohn- und Bestattungsplätzen ablesbar. Zu ihrer Deu-
tung untersucht der Verf. das Verhalten der heutigen Primitiven. Dabei ist er sich
bewußt, daß die völkerkundlichen Erkenntnisse nicht direkt auf den Urmenschen
übertragen werden können. Dennoch enthält der Grundstock der Kultur des Wild-
beuters etwas „Urtümlich-Anfängliches“ und offenbart daher „Urphänomene des
Menschlichen“. Der Wildbeuter lehrt, wie neben wenigen Geräten aus unverwitter-
barem Material eine Fülle anderer aus vergänglichen Stoffen besteht, wie außer-
dem z. B. Körperbemalung, Kult, soziales Verhalten, Sprache und bewußte Tra-
dition zu seinem Leben gehören, ohne aus den Hinterlassenschaften unmittelbar er-
kannt werden zu können. So dürfen auch Steingeräte des Urmenschen nicht mehr
isoliert betrachtet werden, stellen sie doch immer einen Ausgangspunkt für weitere
Aussagen dar.
Die Merkmale der Steingeräte in Material, Form, Größe und Herstellungsweise schil-
dert der Verf. in ihrer Bedeutung zur Hand, zum Menschen und zur geplanten Ver-
richtung. Der Vergleich der Urmenschenskelette mit den altpaläolithischen Stein-
werkzeugen der verschiedenen Stufen führt zu der Aussage: „Der Körper des Men-
schen scheint sich in Rassen und Zeit stärker, rascher und wesentlicher zu ent-
wickeln als sein Gerät“.
Um das Spezifisch-Menschliche am Urmenschen gegenüber dem Tier zu erkennen,
befaßt sich Kraft ausführlich mit dem Verhalten des Schimpansen bei tierpsycho-
logischen Untersuchungen. Der Affe probiert, aber baut nicht. Kulturelle Leistun-
gen dagegen werden zwar erlernt und erworben, formen aber dann das Leben. Die
Kultur trennt den Menschen vollkommen vom Affen, während sich die Körper
scheinbar nur graduell unterscheiden. Dennoch bilden menschlicher Körper und
Kultur eine Einheit. Die Kennzeichen der Kultur des Urmenschen sind Gemein-
schaftsjagd, Feuer und Werkzeug.
Die ältesten Steinwerkzeuge sind Schneidegeräte, also Messer. Das Schneiden ist ein
neues, spezifisch menschliches Verhalten in der Natur und zur Natur. Das Messer
bedeutet den Anfang der Technik und befreit von der unmittelbaren Bindung an
Körper und Umgebung. Stoffauswahl und Formsinn wirken bei seiner Herstellung
mit; daran schließt sich an: das Festhalten an gewissen Verfahrensweisen, der
Wille zu bestimmten Grundformen und Sinn für reine, geometrische Form. Neben
der vorhandenen Welt ersteht also noch eine andere, eine Welt der Vorstellungen,
in welcher Phantasie, Wille, Geschicklichkeit, Erfindung wirken.
Ein gesondertes Kapitel widmet der Verf. dem Unterschied von Werkzeug und
Gerät. Nach der Besprechung der vielseitigen Ansichten von Philosophen und Tech-
nikern betont er, daß nirgends danach gefragt würde, wie der Mensch überhaupt
 
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