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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 1.1903

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https://doi.org/10.11588/diglit.52611#0083
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DAS QUÄLT MICH TIEF . . .
Von
MAIDY KOCH.
Das quält mich tief, dass ich nicht lieben kann.
Ist’s wohl, weil meine Stunde so verrann
Und keine Seele war, die nach mir frug?
Ist’s weil ich gar so grosse Sehnsucht trug?
Ich weiss es nicht Mein Herz ward still und leer.
Und nur des Nachts, wenn von den Gärten her
Akaziendüfte wehen, denk’ ich still
An eine Sehnsucht, die nicht sterben will . . .

MICH WUNDERT NICHT . . .
Von
MAIDY KOCH.
Mich wundert nicht, wenn du dich von mir wendest
Und müde nun die lange Marter endest.
Nur wie ein Leh’n empfing ich dieses Glück.
Die Zeit ist um — so nimm es denn zurück!
Nach Leben dürstest du mit allen Sinnen —
Ich steh’ abseits und seh’ den Tag verrinnen.
Ein Siegerlächeln spielt um deinen Mund —
Ich bin zertreten, müd’ und fieberwund . . .
Und wenn du staunend stehst in lauter Licht —
Mir fallen Schatten übers Angesicht.
Was soll ich dir? Dein Weg führt steil empor,
Wenn meiner längst im Dunkel sich verlor.
Noch zögerst du, das letzte Wort zu sagen.
Ich weiss, was deine Augen scheu mich fragen . . .
O dass du tief in meine Seele sähst!
Mich wundert nicht, wenn du nun von mir gehst.

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