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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 1.1903

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https://doi.org/10.11588/diglit.52611#0089
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KAMERADEN.
Skizze von PAULINE WÖRNER.
Ein sanft ansteigender Marktplatz, mit spitzen Steinen gepflastert,
mit Steinen, von denen jeder einen Zivileid geschworen hat, den Be-
sucher mit Leichdornen auszustatten, führt zur uralten Kornhalle. Ihr
gegenüber das wunderliche Rathaus stemmt sich wuchtig, wie zur
Wehr: „ich bin auch alt, hört ihr! Mich erbauten die Usenberger
Herren, des Breisgaus mächtigstes Dynastengeschlecht!“
Das Kreuz auf der Martinskirche funkelt blutig rot: „die Ältesten
oder die Jüngsten sind allzeit wir, die Tempel. Unser Zeichen kann
nie erlöschen. Es ist ewig!“
Unten entsendet aus vier Röhren der neue graue Sandsteinbrunnen
sein Wasser. Ein paar kümmerliche Linden umgeben ihn, deren
schwanken Jugendstämmen das Holzgitter Schutz verleihen muss. Vor
zwei Jahren, nämlich anno 1866, wurde in Endingens mittelalterliche
Strassenzeilen eine Wasserleitung aus dem Erletälchen herübergebaut.
Nun raunen und quirlen die Brunnen ein neuzeitliches Spottlied aufs

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