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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 1.1903

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https://doi.org/10.11588/diglit.52611#0013
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DER ERSTE REITER. Von ADOLF
Eine Geschichte aus uralter Zeit. SCHMITTHENNER.
Der Boden zitterte bis in die Höhle hinein. Drüben über’m Wald
rasten die Pferde dahin. — —
Der Schläfer stöhnte, denn auf seiner breiten Brust sass ein Alp
und würgte ihn. Er wollte erwachen, aber er konnte die Augen nicht
öffnen, und seine Arme waren gelähmt. Da zog der gespenstige Reiter
die Beine in die Höhe, kugelte sich zusammen und hockte sich ihm auf
das Herz. Das zitterte und bebte unter der Qual, aber die Kehle wurde
frei und er schrie. Da liess ihn der Spuck und war dahin.
Er aber richtete sich mühsam auf, schüttelte sich vor Grauen und
sagte vor sich hin: Schon wieder! Dann warf er die Hülle vom Leib
und trat aus der finstern schwülen Höhle hinaus in die klare Nacht.
Er kreuzte die Arme über der Brust und lehnte den Rücken an die
kühle Felswand.
Da rauschte es drinnen in der Höhle, und sein Sohn trat heraus.
Er war so hoch wie der Vater; aber die schwarzen Locken fielen ihm
weich in den Nacken, und die weisse Haut schimmerte neben der
dunkeln des Vaters, wie im Mondlicht sprühender Wasserschaum
schimmert neben dem bemoosten Stein.
Vater, sagte der Junge, und auch er faltete die Arme über der Brust,
war es die Mutter, die eben bei dir war?

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