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nicht aus dem Fusse, sie könnte sonst eine Läuferin werden". Nach langer Überlegung
entschloss sich der Herr, das Weib Adams Rippe zu entnehmen, „einem Körperteile,
der verborgen bleibt, selbst wenn der Mensch unbekleidet geht". Und bei jedem neuen
Gliede, das er der Frau ansetzte, rief er ihr zu: „Werde keusch und sittsam, werde keusch
und sittsam!" Dennoch half alle Vorsicht nicht, wie der Midraschist Punkt für Punkt aus
Bibelstellen nachweist. Nur für die Geschwätzigkeit der Frau hält es der Rabbi nicht
für nötig, Beweise aus der Bibel zu erbringen ... Der Schalk!
Der Text der Sprüche ist von neuem, zumeist nach der in meinem Besitze befindlichen
Aa%3'(7 (gedruckt bei DANIEL BÖMBERG aus Antwerpen, Venedig 1520—1523)
revidiert worden; bei den mir fehlenden Traktaten wurden die gleichfalls seltenen Talmud-
Ausgaben von JUSTINIANI (Venedig 1346—1331) und die teilweise aus dieser geflossenen
von BENVENESTI (Amsterdam 1644—1648) benutzt. Der #<7 angefertigte hebräische
Kommentar zu den Sprüchen verdankt seine Entstehung vornehmlich dem Wunsche, den
Beitrag möglichst in der seit der Erstausgabe des Talmud für alle folgenden typisch
gewordenen typographischen Ausstattung vor Augen zu führen. Er bietet, ausser Quellen-
nachweisen unter Nennung der betreffenden Tradenten, Wort- und Sacherklärungen,
zuweilen interessante Parallelen aus der talmudischen und midraschischen Litteratur.
Unsere Übersetzung konnte, bei treuer Wiedergabe des Sinnes, dem Charakter und
der Bestimmung der vorliegenden Publikation gemäss, keine andere als eine freie sein.
Die Typen, mit denen der Text der Sprüche gedruckt ist, verdienen besonders erwähnt
zu werden. Sie sind eine genaue Reproduktion der von DE ROSSI als „halbrabbinisch"
bezeichneten Schrift, die der Arzt und Buchdrucker ABRAHAM CONAT in Mantua seit
c. 14/6 in seiner OfRzin zur Anwendung brachte. Merkwürdigerweise kommen diese Typen
ausser in den CONAT'schen Editionen, die „öfters für Manuskripte genommen wurden"
(ZUNZ,Z%r S. 230), nirgends wieder zum Vorschein. Der Neubegründer
unsrer Offizin hat sich durch einen in den Siebziger Jahren des eben verflossenen Jahr-
hunderts veranstalteten Neuschnitt das Verdienst erworben, jene elegante Type aus ihrer
400 jährigen Vergessenheit hervorgezogen und wieder in den Dienst GUTENBERGS gestellt
zu haben.
Bibliographisches Interesse dürfte das unter dem hebräischenTexte befindliche Schluss-
stück beanspruchen. Dieser, einen, seine Schüler unterweisenden Lehrer darstellende,
schlichte Holzschnitt, zu der Kategorie der sogenannten Accipies-Holzschnitte gehörend,
ist einer der seltensten hebräischen Inkunabeln aus Italien entnommen: einem 7%?* (^<3^
6/^3773 des JAKOB BEN ASCHER, nach VAN STRAALEN aus den Pressen der SONCINI
um 1480 hervorgegangen, von dem bis jetzt nur drei Exemplare (eins in Oxford: STEIN-
SCHNEIDER, ^57-<%w%7?2 373 A<?^3<372<3, p. ii 86, 22; eins
im British Museum: ^1894, p. 98: beide defekt; und ein voll-
ständiges Exemplar in meinem Besitze) bekannt sind. Da PROCTOR in seinem inter-
essanten Artikel über den Holzschnitt mit dem Accipies-Motiv I, 32—63),
nur solche in Druckwerken aus deutschen Offizinen kennt und als das älteste Werk ein
QUENTELL von 1492 angiebt, so wäre unser Holzschnitt als einziges Beispiel eines Accipies
aus Italien, dazu noch aus so früher Zeit, in hohem Grade instruktiv. —**
Leipzig, im Oktober 1901. M. ÜHAMIZER.
 
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