Blümner, Hugo
Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern (Band 4) — Leipzig, 1886

Seite: 10
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§ 1.

Gold.

(Xpucöc, aurum.)

Ausserordentlich ergiebig müssen, auch wenn man von
den oft fabelhaft klingenden Berichten der alten Schriftsteller
einen beträchtlichen Theil als Uebertreibung in Abzug bringt,
die Goldminen gewesen sein, über welche clie Völker des
Orients und des alten Aegyptens verfügten. In den Schatz-
kammern der alten asiatischen Despoten häufte sich das edle
Metall in Barren oder verarbeitet zu Gefässen und Schmuck-
sachen in unendlicher Fülle auf; das alte Testament spricht
von diesem Reichthum an zahlreichen Stellen; noch bis spät
in die griechische Zeit hinein machte dieser Goldstrom seine
Macht geltend, und von dem persischen Golde, welches in den
Händeln der Hellenen oft eine so unheilvolle Rolle spielte,
mag manches schon viele Jahrhunderte vorher in den Goldberg-
werken Sibiriens oder sonst in fernen Gegenden des innern
Asiens, zu denen niemals der Fuss eines Griechen drang,
gewonnen worden sein, Es entzieht sich unserer Kenntniss,
in wie weit auch noch in den historischen Zeiten eine Wan-
derung des Goldes aus jenen entlegenen Gegenden nach den
klassischen Ländern, wenn auch auf indirektem Wege, fort-
gedauert hat; thatsächlich hat die hellenisch-römische Welt
von dem Goldreichthum des inneren und hinteren Asiens nur
eine dunkle Kunde, und von den Goldgruben und den Gold-
sand führenden Strömen Indiens, welche einst den persischen
Königen ihre Schätze zugeführt haben sollen,1) erzählte und
glaubte man noch in der Kaiserzeit die wunderlichsten Mär-
chen: von den das Gold grabenden Ameisen und den dasselbe
hütenden furchtbaren Greifen.2) Immerhin lagen auch diesen
fabelhaften Berichten authentische Thatsachen zu Grunde, und
was die Alten vom Goldreichthum der Darclen oder Derden

*) Her. III, 94.

2) Her. III, 102.
Strab. XV, p. 706.
u. a. m.

Ctes. ap. Phot. Bibl. 72, p. 46 B, 27 Bekk.
Ael. N. an. IV, 27. Plin. XI, 111; XXXIII, 66
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