Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 16.1905

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ZUR ÖFFENTLICHEN KUNSTPFLEGE.

Auf die Gunst der Massen lässt sich eine
^ Kunstpflege grossen Stils nicht grün-
den. Wenn uns irgend eine Zeit Denk-
mäler einer monumentalen Kunstgesinnung
hinterlassen hat, so war das immer der
Einfluss aristokratischer Machtfaktoren
geistiger oder politischer Natur. Entweder
das »Volk« repräsentierte an sich schon
eine soziale Elite, wie die Bürgerschaften
antiker Republiken, oder eine grosse Per-
sönlichkeit drängte der Zeit ihren künst-
lerischen Willen auf, wie David, der künst-
lerische Diktator der französischen Revo-
lution. Das politisch nivellierte Menschen-
chaos, welches das Volk eines modernen
Staats ausmacht, hat in künstlerischen
Dingen so wenig einen eigenen Willen,

wie in irgend sonst einer höheren Kultur-
frage. Was heute an öffentlicher Kunst-
pflege geleistet wird, geht auf ganz andere
Initiativen zurück, als etwa auf die Kunst-
interessen politischer Wählerschaften, Zu
keiner Zeit hatte die Monumentalkunst
das Eintreten eines berufenen Mäcenaten-
tums nötiger als in unserer.

Es ist ein um so schwererer Verlust,
dass gerade in einer solchen Zeit eine so
starke Beschützerin der Künste, wie die
katholische Kirche versagen muss. Aber
die künstlerische Epoche des Katholizis-
mus scheint endgültig vorüber zu sein.
Die leitenden Kreise sehen in der Kunst-
pflege überhaupt nicht mehr die eigenste
Angelegenheit der Kirche wie ehedem,

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