Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 16.1905

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A.S.BALL-BERLIN

AUSSTELLUNCj MODERNER
ZIMMER EINRICHTUNGEN

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PROF. A. GRENANDER.

Aufgang zur Ausstellung.

HUNTER LEITUNCjVONH
PROfESOR A.QRENANPER

TEXT VON

M. RAPSILBER—BERLIN.

Trotz des gewaltigen Totenpomps für den
verewigten Menzel, trotz der aufregen-
den Lesser Ury-Ausstellung, trotz der beiden
aufeinander platzenden Penseurs von Rodin,
trotz der herben Kritik am Wertheim - Bau,
trotz der Schlaftänzerin hatte Berlin im
Karnevalmonat doch noch Raum und Atem
für eine Sensation und das war die Aus-
stellung der künstlerischen Interieurs, welche
Professor Alfred Grenander in dem Hause
der Möbelfabrik von A. S. Ball in der Pots-
damer Strasse veranstaltet hatte. Einen so
offenkundigen Erfolg hat das Kunstgewerbe
in Berlin lange nicht zu verzeichnen gehabt,
namentlich die Frauen und Jungfrauen des
Westens wandelten mit strahlenden und lieb-
kosenden Augen durch die geschmackvollen
und glänzenden Räume und jetzt schwärmt
das obstinate Berlin für das neue dekorative
Ideal und für den jungdeutschen Stil. Man
steht hier immer noch unter dem Eindruck
des grossen Sieges, den das deutsche Kunst-
gewerbe in St. Louis erfochten hat, ja, jetzt

1905. VII. 1.

wird eigentlich erst die Bedeutung der über-
raschenden Tatsache ruchbar, da manches
über das grosse Wasser heimgekehrt ist, die
Doubletten der preisgekrönten Arbeiten ge-
zeigt werden und Berlin von Grand Prix
nur so wimmelt. Die Ausstellung bei Ball
ist gewissermaßen eine Ausstrahlung von dem
St. Louiser Glanz, einige der Interieurs sind
nahezu identisch mit denen auf dem Welt-
jahrmarkt und die andern deutschen variieren
eben dieses Hauptmotiv des modernen Ge-
schmacks, so dass die Einzelteile harmonisch
in einander wirken. In der Auswahl der
Künstler und in der Gliederung der Raum-
folge hat Grenander einen feinen Takt und
sein schon mehrfach erprobtes organisa-
torisches Talent erwiesen. Die streng künst-
lerische Inszenierung des Unternehmens und
die ausgesprochene Absicht, nur die Höhe-
punkte des heutigen Kunstgewerbes zu ver-
anschaulichen, ist das wesentliche Moment
des starken Eindrucks, denn auf den modernen,
faulen Dunst, auf sogenannte Künstlerlaunen,

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