Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 16.1905

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architekt anton huber — charlottenburg.

Likörservice und Weinkanne.

Stickereien von Mathilde und Else Huber.

Die künstlerischen Frauenarbeiten sind
im Bereiche der angewandten Kunst
zu Erscheinungen erfreulichster Art geworden,
trotz des Tiefstandes, auf dem sie sich —
bei zweifelsohne hervorragender technischer
Fertigkeit — fast ein halbes Jahrhundert
befanden. Das dilettantische, das fast jeder
Nadelarbeit im Entwurf anhaftete, das auch
in der zeichnerischen Darstellung nach alten
Vorbildern hervordrängte, scheint überwunden
und besiegt, nachdem das Weib zu der Er-
kenntnis gekommen ist, dass die Hand-
arbeiten müssiger Stunden doch nicht viel
mehr als Zeitumbringer und Spielereien ge-
wesen sind. Erst in neuerer Zeit, da es die
Frau auch mit dem Herzen zur Kunst, zu
einem Berufe drängt, erzielt sie Arbeiten,
die als vollendet bezeichnet werden können.
Und gute Vorbilder sind allen Strebsamen
inzwischen reichlich geboten worden, nach-
dem Kräfte wie Geschwister Seliger, Her-
mann Obrist, Frau von Brauchitsch, Olga
Schirlitz, Else Oppler u. a. ihr ganzes Können
und Empfindungsleben in den Dienst der

künstlerischen Frauenarbeit gestellt haben.
Ein prächtiger Nachwuchs hat sich in-
zwischen gleichfalls recht beachtenswert ent-
wickeln und betätigen können, wennschon
manche der neueren Arbeiten dieser Gruppe
noch etwas in den Fesseln der eben genannten
guten Vorbilder hängen.

Mathilde und Else Huber, Schwestern
von Anton und Patriz Huber, stets von
besten Anregungen umgeben, haben sich
neben anderer Betätigung auf den Gebieten
der Kunst auch der Nadelarbeit mit grossem
Erfolg zugewandt. Die auf den Seiten 626
bis 628 gebotenen Abbildungen nach ihren
Stickereien, vorwiegend in Kissen und
Decken bestehend, geben uns recht erfreu-
liche Belege ihres technischen wie künst-
lerischen Könnens. Man wird ja unschwer
erkennen, dass die Schwestern Huber noch
nicht zu ganz Eigenem im Entwurf sich
durchgerungen haben, dass sie aber doch
mancher ihrer Kompositionen den Reiz des
Neuen zu geben vermochten in abstrakten
wie floralen Ornamenten. — k. h. o.

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