Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 16.1905

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Etwas über den Regisseur und die Bühnen-Ausstattung.

illustrieren teilweise was
ich für die Bühnen-Deko-
ration verlange. Ihre Ge-
schichte mag aber die vor-
aufgehenden Ausführungen
begründen, denn auch sie
sind nur Entwürfe geblie-
ben. In diesem Falle ging
ich sogar so weit, für eine
Szene mehrere Entwürfe
zu machen, bloss um dem
Direktor möglichstes Ent-
gegenkommen zu zeigen.
Alle Mühe war auch dies-
mal wieder umsonst. An-
statt jedoch sein schon so
oft vernommenes Wort
»Unmöglich!« anzuerken-
nen, bot ich mich an, das Unmögliche dennoch möglich zu
machen. Er aber bestand auf seiner Ansicht und wollte
nach keiner Richtung hin nachgeben. Trotzdem werde ich
mich auch in Zukunft nicht von meinem Prinzip abbringen
lassen und werde nie etwas ausführen, was das in Kunst-
fragen gebildete Publikum zu beleidigen vermöchte, oder
etwas gutheissen, was ich selbst aus innerster Überzeugung
bekämpfen müsste. — edward gordon craig.

NEUE STEINZEUG-GEFÄSSE.

Die Erzeugnisse des Kannebäcker-Ländchens, nament-
lich des Westerwaldes mit Höhr und Grenzhausen,
an Steinzeug-Gefässen aller Art sind Jahrhunderte lang
recht gesuchte Objekte gewesen, solange die handwerk-
liche Tradition ihre Eigenart in Form und Farbe bewahrt
hatte. In neuerer Zeit hat die Preussische Regierung der
künstlerischen Hebung der dortigen Steinzeug-Industrie
eine warme Fürsorge angedeihen lassen, die in der recht
gut geleiteten Fachschule für Keramik zu Höhr einen vor-
trefflichen Stützpunkt findet. Man kann heute bereits an
vielen Erzeugnissen einen fühlbaren Aufschwung fest-
stellen, der namentlich darin zum Ausdruck kommt, dass
die neueren Muster der jetzigen Kunstströmung bevor-
zugt werden. Einen erfreulichen Beleg dafür bieten die
auf S. 616 abgebildeten Steinzeug-Gefässe, die nach

Entwürfen des Bildhauers

Carl Görig — Darmstadt
von der rührigen Firma
J. P. Thewalt—Höhr aus-
geführt worden sind. Das
Material scheint beson-
ders sorgfältig verarbeitet
zu sein, ebenso sind die
blauen und violetten Töne
dem Grau der Gefässe gut
angepasst. Die Formen-
gebung wie Musterung
sind charakteristisch für
das Material u. verdienen
volle Anerkennung. —

EDWARD GORDON CRAIG. Drei Ent
würfe für Masken in »The masque of Love«

Die hochinteressanten Ausführungen eines Künstlers wie Edward Gordon Craig,
der als Schauspieler, Theatermaler und Bühnen-Techniker hier zum Wort gekommen
ist, bedürfen kaum noch einer weiteren Verstärkung. Was Craig erstrebt zu
Gunsten der Bühnen-Szenerie wird von allen, die der Reorganisation des Theater-
wesens einsichtsvoll gegenüberstehen, nachdrücklichst unterstützt werden müssen.
Die Hofbühnen sollten sich auch in dieser Hinsicht solchen Anforderungen
gewachsen zeigen und ihren Aufführungen künstlerische Abrundung und Voll-
endung geben, damit sie zu Musterbühnen werden.

Entwurf für »The masque of Love«.

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