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An der nordwestlich vom Tieplatz abzweigen-
den Straße Auf dem Plane erhebt sich die weit-
hin sichtbare Martinikirche, die eine weitere
Dominante im „Altdorf” darstellt. Von der erst-
mals 1345/46 als Pfarrkirche erwähnten geo-
steten Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluß
haben sich offenbar nur noch Reste des massi-
ven Westturmes erhalten, der später ein ver-
schiefertesTurmobergeschoß erhielt. Mitte des
18. bzw. 19. Jh. wurde der Sakralbau, dessen
Innenraum von einer Flachdecke mit Voute
überspannt wird, durchgreifend verändert. Ge-
gliedert wird der Außenbau durch Eckquade-
rung, Fenstereinfassungen und durch ein goti-
sierendes Kaffgesims, das in Höhe der Portale
verkröpft ist.
Der überwiegende Teil der zweigeschossigen,
stockwerkweise abgezimmerten Fachwerk-
bauten stammt aus dem frühen 19. Jh., der je-
doch vielfach durch Eingriffe ins Gefüge erheb-
lich verändert wurde. Zu den ältesten Bauten
Bovendens zählen: Im Bache 46, Untere Straße
8, Zehntenstraße 15 und Breite Straße 11, die
wohl um 1600 entstanden. Die beiden erstge-
nannten Bauten zeigen als Schmuckmotiv u.a.
an der Unterkante der Stockschwelle sowie an

den Füllholzkanten einen prächtigen Zahn-
schnittfries - eine Zierform, die in Größe und
Profilierung variierend, ausnahmslos mit ande-
ren Schmuckelementen verbunden wird. Von
straßenbildprägender Bedeutung sind der ur-
sprünglich symmetrisch gestaltete Fachwerk-
bau Im Bache 29aus dem 1. Drittel des 19. Jh.,
der mit einem mächtigen Zwerchhaus verse-
hene Bau Untere Straße 25 aus dem frühen
18. Jh., das vermutlich im 2. Viertel des 19. Jh.
erbaute ehemalige Rathaus Im Bache 38 und
der kaum veränderte Fachwerkbau Zehnten-
straße 17, der um 1800 entstand.
Hervorhebenswert auch die nördlich des Orts-
kerns am Rauschenwasser (Nr. 11) gelegene
Villa Sartorius von 1896, ein gut erhaltener zeit-
typischer Ziegelbau mit farbig abgesetzten
Formsteinen und ausgebautem Drempelge-
schoß in Zierfachwerk.
Auf dem Tie
Zentrum des Dorfplatzes ist der Bereich um
den Tie, dessen langgestreckte annähernd tra-
pezförmige Grundfläche mit der platzumschlie-
ßenden Bebauung im wesentlichen aus dem
18. Jh. stammt. Beherrschend tritt das zwi-

schen 1777 und 1790 auf der Nordseite er-
baute ehemalige hessische Jagdschloß hervor.
Der stattliche Repräsentationsbau mit den Sei-
tenpavillons kontrastiert mit den kleinteiligen,
traufständig ausgerichteten Fachwerkbauten,
die die Südseite des Platzes begrenzen. Hierzu
gehören das Forsthaus (Nr. 11) ein schlichter
symmetrisch aufgebauter Fachwerkbau und
das angrenzende zweiseitig vorkragende
Wohnwirtschaftsgebäude aus dem frühen
18. Jh. Eingebunden zwischen zwei in das Dorf
führende Straßen, die ehern. Schulstraße
(heute Teil der Zehntenstraße) und die ehern.
Kirchstraße (heute Teil der Straße Auf dem
Plane) steht am Kopfende die Schule, ein
schlichter Rohziegelbau von 1894. Prägenden
Einfluß auf das räumliche Gefüge des Platzes
nehmen die Bauten Auf dem Plane 6 und 8/9.
Indem sie den Straßenraum einengen, lassen
sie die Situation des 18. Jh. noch erahnen, die
durch das bereits 1454 urkundlich nachweis-
bare Feldtor mit dem Gemeindedienerhaus ge-
bildet wurde, die gleichsam die östliche Platz-
begrenzung darstellten.

Bovenden, Im Bache 44, 46ff



Bovenden, Im Bache 46


Bovenden, Auf dem Plane 16

Bovenden, Martinikirche


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