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einem fünfachsigen Zwerchhaus bekrönt. Die
Überhänge der drei Oberstöcke sind durch Vo-
lutenknaggen abgefangen und verriegelt. Ne-
ben den prächtigen Knaggen sind auch aus
den Balkenköpfen Kehlen und konvexe Profile
mit Kerbschnittornamentik herausgearbeitet.
Das viergeschossige Traufenhaus Marktstraße
15 ist eingebunden in die geschlossene Zeilen-
bebauung der Marktstraße, die erstmals 1467
als „Marketstrate” urkundlich erwähnt wird.
Nach F. Fischer war es einstmals das Haupt-
quartier General Tilly’s nach der Einnahme
Mündens 1626. Erbaut wurde der mit einem
Zwerchgiebel versehene Fachwerkbau, wie die
Inschrift auf der Stockschwelle belegt, 1580 für
W. Spangenberg. Der stockwerkweise abge-
zimmerte, neungebindige Bau überquergeteil-
tem tonnengwölbten Keller schließt mit einem
von stehenden Stuhlsäulen gestützten Kehlbal-
kendach ab. Reich profilierte Volutenknaggen
fangen die nur zur Straße ausgerichteten Vor-
kragungen ab, deren verzierte Füllbalken von
Zahnleisten gesäumt sind. Die Brüstungsfelder
sind ausgefüllt mit paarweise angeordneten,
kräftigen Andreaskreuzen. Aus dem frühen
18. Jh. stammt das Portalgewände (1709).

Siebenturmstraße 9/11, 1647


Ritterstraße 3, 5, 7


Kurz nach 1600 bis etwa 1630 ist als weitere
Gebälkverzierung das sog. Taubandornament
nachweisbar, das in mannigfachen Gestal-
tungsvarianten an etwa 20 fast ausschließlich
in den Seitenstraßen errichteten Bauten Mün-
dens erscheint: Hinter der Stadtmauer 2, 4, 18,
21; Tanzwerderstraße 19; Petersilienstraße 1/3;
Siebenturmstraße 13; Ritterstraße 5; Ziegel-
straße 39, Rosenstraße 3; Kirchstraße 6, 8;
Bürgst raße 11; Lange Straße 15; Sydekum-
straße 13.
Die zumeist dreigeschossigen, häufig aufge-
stockten Bauten kragen nur geringfügig stra-
ßenseitig auf Balkenköpfen vor, die mit Schnur,
Kehle und Stab verziert sind. Unterstrichen
wird die plastische Wirkung der Fassaden
durch das Schiffstauornament, das häufig voll-
ständig über Rähm, Füllholz und Schwelle ge-
führt ist und zu einer Verunklärung des kon-
struktiven Gebälkaufbaus führt. Die ineinander
geflochtenen Taue und Seile winden sich ge-
genläufig entlang der Schwellkante und über
das Füllholz, so daß ein geflechtartiges Band-
muster entsteht, das von einem Mittelpunkt
ausgehend, der häufig von einer Halbkugel in
Stabbreite gekennzeichnet ist, sich nach rechts

und links entfaltet. Eine durchlaufende Schnur
grenzt das Taubandornament ab. Entspre-
chend waren die Portale rechteckig umrahmt,
wie die Beispiele Hinter der Stadtmauer 14, 18
und Siebenturmstraße 13 zeigen.
Eindrucksvoll belegt das dreigeschossige sie-
benachsige Doppelhaus Siebenturmstraße 13
wie Schwelle, Rähm und Füllbalken vollständig
mit Taubandornament überzogen sind, das sich
sogar bis in den dreiachsigen Zwerchgiebel
und in die Portalumrahmung fortsetzt. Die im
südwestlichen Teil des Stadtareals gelegene
Siebenturmstraße, die in der Ritterstraße ihre
Fortsetzung findet und zur Lange Straße führt,
ist benannt nach dem erstmals 1677 in den
Stadtakten erwähnten Siebenturm, der einst in
den Stadtmauerring eingebunden war und an-
geblich zu den schmuckreichsten Türmen der
Stadt zählte.
Im Vergleich zum Doppelhaus Siebenturm-
straße 13 wird das dreigeschossige Traufen-
haus Hinter der Stadtmauer 21 durch eine we-
sentlich zurückhaltendere Bauzier in der Ge-
bälkzone geprägt. Die geringe Stockwerksvor-
kragung in Balkenstärke ist knaggenlos und
weist, wie auch das vierachsige Zwerchhaus,

Petersilienstraße 1/3, 1. Hälfte 17. Jh.


7


Sydekumstraße 13, 1. Hälfte 17. Jh.


Hinter der Stadtmauer 14, Detail

Tanzwerderstraße 19


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