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Speckstraße 6, „Mauerhaus”, 1649, Grundriß, Schnitt


das Taubandmotiv auf. Hervorhebenswert ist
die deutlich unter Empire-Einfluß stehende
wieder aufgearbeitete Türe.
Das Verbindende der in den vierziger und fünf-
ziger Jahren des 17. Jh. errichteten Bauten der
folgenden Formengruppe ist der schlichte, zu-
rückhaltende Dekor. Zu den stockwerkweise
abgebundenen drei- bzw. viergeschossigen
Fachwerkbauten zählen: Siebenturmstraße
9/11 von 1647, Lange Straße 26, Speckstraße
3 und 6 von 1649, Hinter der Stadtmauer 34
und Lange Straße 84. Das nur leicht vorkra-
gende Gebälk weist auf der Schwelle, den Füll-
hölzern und den darunterliegenden wulstarti-
gen Streben ein durchlaufendes Stabprofil mit
Kerbschnittverzierung auf. Als Besonderheit
zeigen die beiden traufständigen Bauten Lange
Straße 26 und 84 S-fömig gekrümmte, knos-
penartig verzierte Bänder in den Brüstungsge-
fachen, eine offenbar aus dem Hessischen
adaptierte Schmuckform. Bis auf das vollstän-
dig entkernte Erdgeschoß ist das ursprünglich
dreigeschossige, stockwerkweise abgebun-
dene Traufenhaus Lange Straße 84 gut erhal-
ten. Die reduzierte Ausladung der Stockwerke
wird von kurzen Volutenknaggen unterstützt.
Schwellkanten und Füllbalken weisen in Schiff-


Lange Straße 84, um 1650

Lange Straße 84, um 1650, Ansicht Lange Straße 26, um 1650, Ansicht


chenmotiven eingesetzte Stabprofile auf, die in
Verbindung mit den gekehlten Balkenköpfen,
den durchlaufenden Stabprofilen auf der
Schwelle und den gebogenen, mit Knospen
verzierten Schwelle-Riegel-Bändern eine inter-
essante Fassadengestaltung bewirken.
Von weitaus schlichterer Gestaltung ist das
dreigeschossige, stockwerkweise abgezim-
merte Traufenhaus Speckstraße 6. Die einge-
tiefte Inschrift auf der nur in Balkenstärke vor-
kragenden knaggenlosen Oberstockschwelle
belegt die Bauzeit des Hauses 1649. Es ist Be-
standteil der zumeist dreigeschossigen
schlichten Zeilenbebauung der leicht ge-
krümmten Speckstraße im nordwestlichen Teil
des Stadtareals, die eine Verbindung zwischen
Lange- und Lohstraße herstellt. Die Rückseiten
der nördlichen Zeilenbebauung, die auf der
Stadtmauer aufsitzen, sind zur Wanfrieder
Schlagd ausgerichtet.
Eine Besonderheit stellt das dreigeschossige
„Durchfahrtshaus” Vor der Burg 13 dar, das ei-
nen umbauten Hinterhof erschließt, auf dem
sich das mittelalterliche Steinwerk befindet.
Die knaggenlosen, nur in Wandstärke vorkra-
genden Oberstöcke sind kaum gegliedert.
Schmucklos ist auch die Oberstockschwelle
des Hinterhauses. Nur die Füllbalken weisen
ein dezentes Kehle-Stab-Profil auf. Akzentuiert
wird der strenge Fassadenaufbau durch z.T.
paarweise angeordnete Fußbänder und Fuß-
streben sowie durch die beiden hohen rundbo-
gigen Durchfahrtstore, auf deren Sturz die Na-
men der Bauherren und das Baudatum 1640
angebracht sind.

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