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Formen greifen die Bauten Bahnhofstraße 46,
Beethovenstraße 9 und Kasseler Straße 39 zu-
rück.
Gegenüber dem Empfangsgebäude der Süd-
bahn, inmitten eines von hohen Pappeln um-
säumten parkähnlichen Gartengrundstücks
Bahnhofstraße 46 entstand 1887 die Villa des
Fabrikanten O. von Scheibner nach Plänen des
Architekten J. Eubell. Die überbaute prächtige
Veranda, dekorative Fensterverdachungen so-
wie ein umlaufender metopenartiger Fries in
der Attikazone, unterhalb des flachen Walmda-
ches, lassen einen allseitig durchgestalteten
Baukörper entstehen.
Auch die 1904/05 von Maurermeister W. Kraft
(Münden) entworfene Villa des Geh. Sanitäts-
rats Dr. Seebohm Beethovenstraße 9 zeigt hi-
storisierende Schmuckformen. Besonders
markant wirken die flachen, Ober- und Attika-
geschoß zusammenfassenden Kolossalpila-
ster mit Schmuckkapitellen - ein Architektur-
motiv vornehmlich der Spätrenaissance, die ei-
nen gesprengten Giebel tragen. Der von der
Straßenflucht zurückgesetze Bau entstand
etwa zeitgleich mit der Fabrikanten-Villa B. Wü-
stenfeld, die A. Pott (Münden) 1901/02 an expo-

nierter Stelle, an der Straßengabelung Vogel-
sang/Kasseler Straße 39 errichtete. Dem kraft-
vollen zweigeschossigen Massivbau mit Atti-
kageschoß ist eine dreiachsige, stark vorsprin-
gende, im Erdgeschoß geschlossene Veranda
vorgelegt, die sich im Obergeschoß portikusar-
tig öffnet. Neben der Villa Koch und Arlt Fried-
richstraße 12, für deren Entwurf von 1902 der
Architekt M. Küster verantwortlich zeichnet,
sind die zur Wallanlage ausgerichteten Bauten
Wall 3 von 1884 (Bauherr: G. Wentzler; Ve-
randa 1894), Wall 7von 1899 (Bauherr: Senator
G. Becker) und Wall 9 von 1902 (Bauherr: A.
Pott), deren Pläne A. Pott entwarf, hervorhe-
benswert.
Eine eigene Formensprache entwickelten indes
die zahlreichen Rohziegelbauten, die seit 1860
im Bahnhofsviertel entstanden. Aufgrund ihrer
exponierten Lage inmitten eines zur Wallanlage
gehörenden Grundstücks kommt der prächti-
gen Villa Wall 12 des Fabrikanten H. Wetzell
straßenbildprägende Bedeutung zu. Wegen ih-
res wehrhaften, trutzigen Äußeren und ihrer
glasierten, die Sonne reflektierenden Ziegel-
formsteine, die den nach Süden orientierten
Bau Wall 12 gliedern, wird die 1867 erbaute

Villa bezeichnenderweise „Glitzerburg” ge-
nannt. Eine hohe Stützmauer mit gliedernder
Blendarchitektur fängt den Geländesprung zur
Burgstraße ab. Der zweigeschossige Massiv-
bau in Ziegelsichtmauerwerk wird geprägt
durch einen zweiachsigen Mittelrisalit mit ho-
her Blendarkatur und dekorativem Staffelgie-
bel, der in Verbindung mit dem spröden Ziegel-
material und den zinnenartigen Mauerwerks-
abschlüssen dem Ganzen ein wehrhaftes Äu-
ßeres verleihen. Harmonisch fügt sich auch die
1872 zu einer prachtvollen Veranda überbaute
Freitreppe in die Fassadengestaltung ein. Zu
dem Hauptgebäude gehört ein 1V2geschossi-
ges Nebengebäude (1867), das unmittelbar an
der Burgstraße liegt und vermutlich zunächst
als Bediensteten-Wohnhaus, später als Lager-
raum genutzt wurde. Es zeigte ursprünglich
den gleichen Zinnen- und Treppengiebelaufbau
wie der Hauptbau.
Zehn Jahre später, 1877, entstand mit der Villa
des Holzhändlers A. Senft auf der Bahnhof-
straße 32 ein gut durchgestalteter Rohziegel-
bau, der durch markante, der Pagodenarchi-
tekturentlehnte Dachhäuschen betont wird. Zu
der Villa, die in einem großen, wohlgepflegten

Wilhelmstraße 27, Villa F. Wetzell, 1865 Wilhelmstraße 27, Veranda, 1890


Am Feuerteich 28, Villa Baurmeister, 1863, Maurermeister J. Sander (Kassel)


Wall 9, Wohnhaus A. Pott, 1902, Architekt A. Pott


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