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bergfriedartigen Turm den Mittelpunkt einer
kleinen mauerumwehrten Verteidigungsan-
lage, von der sich noch große Teile erhalten
haben.
Der Bau des Bahnhofs 1870-1872 leitete zu-
gleich eine großflächige Ortserweiterung jen-
seits der damaligen Stadtbefestigung ein, die
sich deutlich vom historisch gewachsenen
Ortskern absetzt.
Bemerkenswert ist die hohe Zahl qualitätvoller
Bauten insbesondere aus der 1. Hälfte des
18. Jh., die markante Punkte in die geschlosse-
nen Zeilenbebauungen setzen und darüber
hinaus wesentlich zur Wirkung des Ortsbildes
beitragen. Häufig auf geländebedingte hohe
Sandsteinquadersockel gestellt, zeigen die
überwiegend traufenständig ausgerichteten,
vielfach inschriftlich datierten Bauten in der
Verwendung von Schmuck- und Zierformen
deutliche Übereinstimmungen zu Mündener
Beispielen: Bechlagwerkartige Flachschnitze-
reien (Bachstraße 9 von 1723, 4 von 1749 und
Hinterstraße 3 etwa Mitte des 17. Jh.), Tau-
bandornamentik in der Gebälkzone (Bach-
straße 8, Hinterstraße 31, Flathausstraße 29),

geschwungene und verzierte Fußbänder in den
Brüstungsgefachen der Oberstöcke (Oppertor
28 wohl Mitte 18. Jh., Steinstraße 7 von 1763,
Steinstraße 15) sowie das sogenannte „Hänge-
zapfenmotiv” (Flathausstraße 20 des ausge-
henden 17. Jh.) stellen Parallelen zum Münde-
ner Fassadendekor her. Auffallend ist auch die
stattliche Anzahl qualitätvoller barocker und
klassizistischer Türen: Bachstaße 9, Hinter-
straße 11, Flathausstraße 6, 8, 20 und 27.
Ortsbildprägender Einfluß kommt den Bau-
gruppen: An der Michaeliskirche, Hinterstraße,
Rathausstraße und Steinstraße zu, die auf-
grund ihrer Geschlossenheit, ihres Erhaltungs-
zustandes und ihrer Gestaltwerte sich aus der
übrigen Bebauung herausheben. Zu den älte-
sten erhaltenen Bauten Hedemündens gehört
offenbar der giebelständige Fachwerkbau Flat-
hausstraße 27 (angeblich um 1500 erbaut), der
jedoch aufgrund des Fassadenbehanges keine
fundierte Datierung zuläßt und der traufenstän-
dige Geschoßbau Rathausstraße 24, der in die
1. Hälfte des 16. Jh. datiert wird.

An der Michaeliskirche
Die städtebaulich wohl eindrucksvollste Situa-
tion zeigt sich im Umkreis der Michaeliskirche.
Neben der exponiert gelegenen, alles überra-
genden und beherrschenden Michaeliskirche
am Kopfende der Rathausstraße trägt die inter-
essante Straßen- und Wegeführung entschei-
dend zur Wirkung des Ortsbildes bei. Gegen-
über der Michaeliskirche entstand 1731 auf
einem inselförmigen Areal (An der Michaeliskir-
che 5/9)d'\e „Hedemündener Stadtschule”, ein
freistehender zweigeschossiger Fachwerkbau,
der von kleinteiliger, durchweg schlichter, platz-
umgrenzender Fachwerkarchitektur eingefaßt
wird. Auch das Pfarrhaus (Oppertor 20) und
das inzwischen abgetragene Spritzenhaus an
der Straßengabelung Oppertor/An der Michae-
liskirche setzen Akzente im Ortskern.

Hinterstraße
Die schmale, von Westen nach Osten verlau-
fende Hinterstraße bildet gleichsam den nördli-
chen Abschluß des historischen Ortskerns.
Hervorhebenswert ist der geschlossene Cha-
rakter der Straßenzeile mit ihren traufenständi-

Hedemünden, Bachstraße 5, Wohnhaus


Hedemünden, Rathausstraße 6, Rathaus, 1721


Hedemünden, Hinterstraße 3, Wohnhaus, Hedemünden, Rathausstraße 20 Ende 17. Jh., 22, 24, von rechts
Mitte 17. Jh.


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