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wüst gewordene Hohenlohe. Auch Laubach
wurde seit der 2. Hälfte des 15. Jh. als Wüstung
für viele Jahrzehnte aufgegeben und erscheint
erst 1563 wieder in den Schriftquellen als Sied-
lung. Bis 1832 blieb Laubach hessisch und ge-
hörte zu den Gütern des Grafen von Berlepsch
bzw. der Familie von Butlar. Als Grenzort zum
Herzogtum Braunschweig umstritten, wurde
Laubach schon 1618 auf der ältesten Karte des
Kaufunger Waldes genannt, wo man ausge-
dehnte Weiderechte im sog. Samptwalde be-
saß.
Zu Laubach gehören neben der Zella oder Clus,
die nach den Mündener Kämmerei-Rechnun-
gen von 1440 als „celle by d’lopach” der Stadt
einen Zins zu entrichten hatte (heut Wirtshaus
Zella) auf dem Heiligenberg auch das nahe der
Autobahn gelegene ehemalige Forsthaus
Haarth sowie das um 1900 errichtete Gasthaus
Grundmühle.
Geprägt wird das kleine Haufendorf im Werratal
von schlichten Fachwerkbauten des 19. Jh.,
die in lockerer Anordnung auf unregelmäßig
parzellierten Hofgrundstücken entstanden. Um
die erheblichen Höhendifferenzen des Gelän-

des auszugleichen, mußten die doppelge-
schossigen, stockwerkweise abgezimmerten
Fachwerkbauten, deren Fassaden häufig durch
Behang kaschiert sind, auf hohe Sandstein-
quadersockel gestellt werden. Nur im kirchna-
hen Bereich, wo mehrere Hofstellen durch
schmale ringförmig angelegte Straßen und
Wege zusammengefaßt sind, kam es zu einer
Verdichtung der Bebauung. Aus dem überkom-
menen Baubestand hebt sich die kleine ein-
schiffige Saalkirche kaum ab, die auf einer
schmalen inselförmigen Parzelle entstand, de-
ren Geländesprung durch eine hohe Bruch-
steinmauer abgefangen wird. Der Außenbau
der schlichten, von einem Giebelreiter bekrön-
ten Saalkirche wird durch dezente Werkstein-
gliederungen aufgelockert. Zu den wenigen be-
achtenswerten Bauten gehören der Fachwerk-
bau Hergraben 5 und das Gasthaus Laubach-
straße 39.
Auf einem Eckgrundstück Laubachstraße/Her-
graben 5 entstand der traufenständige zwei-
stöckige Fachwerkbau, der, wie der Inschrift im
Türgewände zu entnehmen ist, 1825 errichtet
und offenbar Mitte des 19. Jh. erweitert wurde.
Mit dem in der 2. Hälfte des 18. Jh. erbauten

zweistöckigen Fachwerkbau Laubachstraße
39 hat sich ein weiterer herauszuhebender
straßenbildwirksamer Bau erhalten, der im
19. Jh. um einen Scheunentrakt erweitert
wurde.
HANN. MÜNDEN-LIPPOLDSHAUSEN
Erhebliche Höhendifferenzen prägen die Topo-
graphie des ca. 200 m über NN liegenden Ortes
Lippoldshausen, der ca. 5 km östlich von Mün-
den am Eingang des waldreichen 11kstales sich
ausdehnt. Überragt wird das Tal am Unterlauf
des llksbaches, der beim „Letzten Heller” in
die Werra mündet, von der sagenumwobenen,
angeblich bis ins 9. Jh. zurückreichenden Lip-
poldsburg. Nur noch Reste der Umfassungs-
mauer künden heute von der einstigen Befesti-
gungsanlage, die offenbar den Übergang über
die Werra sicherte.
Erstmals urkundlich erwähnt wird „Lupoldishu-
sen” 1263. 1318 bestätigte Herzog Otto von
Braunschweig und Lüneburg, daß Barthold von
Nörten Teile seiner Güter in „Libboldeshusen”
dem Kloster Hilwartshausen übertragen habe.
Einst zum Gericht Brackenberg gehörend, um-
faßte Lippoldshausen wie die Zinsbücher aus-
weisen 13 „Bauernstellen” und 12 „Kötnerstel-
len”. Zudem sind im Dorf vier Mühlen nach-
weisbar: die Obermühle, die Ziegelmühle, die
Herren- oder Lindenmühle und die bereits 1447
urkundlich genannte llksbachmühle, die aber
abgetragen bzw. ihren Betrieb eingestellt ha-
ben.

Laubach, Laubachstraße, ehern. Wohnwirtschaftsgebäude, 2. Hälfte 18. Jh.

Nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme
von 1785 gruppieren sich die 45 „Feuerstellen”
vornehmlich um die von Westen nach Osten
verlaufende leicht gekrümmte Raiffeisen-
straße. Von ihr zweigen kurze Erschließungs-
straßen: Kesselbach, An der Brückenecke,
Große Lieth und Frauenschuhweg ab, die den
Charakter des unregelmäßigen Haufendorfes
bestimmen. Zu einer Verdichtung der Bebau-
ung kam es im Bereich der Pfarrkirche St. Mi-
chaelis, die, etwas von der Hauptstraße zu-
rückgesetzt, von der schmalen ringförmig an-
gelegten und steil ansteigenden Schulstraße
umschlossen wird. Der auf einer Anhöhe lie-
gende Sakralbau, die Keimzelle Lippoldshau-
sens, bildet gemeinsam mit der platzumgrei-
fenden, vesetzt angeordneten Fachwerkbe-
bauung einen gut erhaltenen, homogen wirken-
den und weitgehend ungestörten Ortskern, der
im Osten bis zum Kesselbach und im Westen
bis zum Verlauf der großen Lieth reicht, die in
die Raiffeisenstraße mündet.

Lippoldshausen, Thingplatz 2/4, Wohnhaus, 1729, erweitert 1781

Einheitsstiftendes Moment der auf unregelmä-
ßig zugeschnittenen kleinen Parzellen errichte-
ten Bauten ist das Gleichmaß der auf hohen
Sandsteinquadersockeln ruhenden, stock-
werkweise abgezimmerten Bauten, deren
steile Satteldächer Zwerchhausaufbauten auf-
weisen, die noch an die ursprüngliche Lage-
rung von Gütern im Dachraum erinnern. Auch
die vorgelegten Sandsteintreppen tragen zur
Wirkung der Fachwerkbauten bei. Zahlreiche
der zumeist im 18. Jh. errichteten Bauten wei-
sen neben den Inschriften auf den Stock-
schwellen des vorkragenden Obergeschosses
auch verzierte Eckständer und vereinzelt noch
dekoratives Portalgewände aus der Bauzeit

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