Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,2): Landkreis Göttingen, T. 1: Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf — Braunschweig, 1993

Page: 216
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd5_2/0218
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1489 durch die Herren von Adelebsen wieder
aufgebauten achtgeschossigen Turmes.
An der Nordwestecke des wehrhaften, in
Bruchstein errichteten Turmes schließt das
1623 niedergebrannte und in der 2. Hälfte des
17. Jh. wieder aufgebaute Schloß an. Der drei-
stöckige schlichte Putzbau, dessen Süd- und
Ostflügel tonnengewölbt waren, erfuhr 1806/
07 eine weitere Veränderung, wobei auch der
alte Burggraben an der Nordseite zugeschüttet
wurde. Der Zugang zum inneren Burghof war
nur durch das große Nordtor möglich, an das
sich die einstige Vorburg, der spätere Amtshof,
anschloß.
Wie der um 1750 gefertigte Plan des „Freiherrli-
chen Gerichtes Jühnde” ausweist, wurde der
Amtshof umschlossen von: Deputat-Haus,
Pforte, Brau-Haus, Scheune und Stallungen.
Überkommen sind die 1620 erbaute und mehr-
fach veränderte Scheune mit Längsaufschluß,
die den Amtshof nach Osten abschließt, das
ehemalige Brauhaus, ein noch gut erhaltener
schlichter Bruchsteinbau, Reste des „porthu-
ses” sowie das leider in den letzten Jahren bis
auf die Umfassungsmauern niedergebrannte
kreuzgratgewölbte Wirtschaftsgebäude.

Aus dem Bestand des 19. Jh. ist die stattliche
Bruchstein-Scheune von 1856, die unmittelbar
an der Mariengartner Straße liegt, herauszuhe-
ben.
Auf dem Areal des bis 1867 genutzten „Toten-
hofes” entstand 1861 die in Werkstein erbaute
neuromanische Gruftanlage des Freiherren
Grote, die von einer Bruchsteinmauer und einer
hohen Baumgruppe schützend umschlossen
wird.
Zu der Gesamtanlage des Herrensitzes gehört
ferner ein beeindruckender weitgefächerter
Landschaftspark aus der Zeit um 1800, der auf-
grund seiner topographischen Situation präch-
tige Raumbilder und Tiefenstaffelungen ermög-
licht. Der in zeittypischerWeise vom schloßna-
hen Pleasureground getrennte Landschafts-
park entstand auf einem bis zum nordwestli-
chen Abhang der Hohen Erde reichenden lang-
gestreckte Areal. In den Landschaftspark inte-
griert wurde der auf einer Anhöhe gelegene
Wartturm aus Bruchstein, der als romantische
Staffage einen wichtigen Akzent im weiträumi-
gen Park setzt. Die Wirkung des qualitätvollen
Landschaftsparks wurde jedoch durch die

neue Bundesbahntrasse, die den südöstlichen
Teil der Parkanlage durchschneidet, erheblich
gestört.
Pfarrkirche St. Martini
Nördlich des Gutes entstand die 1271 erstmals
in einer Urkunde des Klosters Mariengarten ge-
nannte Pfarrkirche St. Martini mit einem über
quadratischem Grundriß sich erhebenden
wuchtigen Westturm mit Fachwerkaufsatz und
Laternenhaube, der im wesentlichen, wie der
Rechtecksaal, aus dem letzten Drittel des
16. Jh. stammt. Der schlichte Innenraum birgt
einen Kanzelaltar wohl aus dem Ende des
18. Jh. und eine Herrschaftsprieche.
Hägerhof
Zur Burg Jühnde gehörte jahrhundertelang der
nordwestlich des Ortes gelegene Hägerhof.
Das alte Dorf „To der Hoye”, das noch 1460
urkundlich genannt wird, lag innerhalb der
Grenzen des Gerichtes Jühnde. Aus dem heuti-
gen Baubestand ist nur noch das doppelge-
schossige Wohnwirtschaftsgebäude hervorhe-
be nswert.


Jühnde, Schloßanlage, Haupthaus

Jühnde, Schloßanlage, Schloßturm


Jühnde, Schloßanlage, Landschaftspark, Warte


Jühnde, Dorfstraße, Gruft des Freiherrn Grote, 1861


216
loading ...