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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0243
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Fassadengliedernd wirken die bis zum Brüs-
tungsriegel reichenden, paarweise angeord-
neten kurzen Fußstreben und das leicht aus der
Mitte versetzte Einfahrtstor. Die Inschrift auf der
Oberstockschwelle:
„ALLES, WAS MEIN THUN UND ANFANG IST
DAS GESCHEHE IN DEN NAHMEN JESU
CHRIST
DER STEH MIR BEY FRÜH UND SPATH
BIS ALL MEIN THUN EIN ENDE HAT“
gibt darüber hinaus noch die Datierung des
Hauses „Anno 1708“ und wohl den Namen des
Bauherren „Heinrich Andreas Brennecke“ an.
Die angrenzenden Gebäude fielen dem Brand
von 1893 zum Opfer.
Zu einem Ensemble schließen sich die Bauten
Entenmarkt 2, 3 und 4 zusammen, die im rech-
ten Winkel zueinander stehen und die maßgeb-
lich zur Wirkung des Platzes beitragen. Grup-
penkonstituierend ist der frei stehende Fach-
werkbau Nr. 2 von 1779, das so genannte
„Predigerhaus“, das zugleich die östliche Platz-
begrenzung bildet. Eine vorgelegte Freitreppe
erschließt den strengen Fachwerkbau, dessen
Fassade durch hohes Strebewerk aufgelockert
wird. Ein gestelzt wirkendes abgewalmtes
Satteldach bekrönt den doppelgeschossigen
Bau. Quer gestellt schließt das „Rumannsche
Haus“ Entenmarkt 3 an, das 1768/70 unter
Einbeziehung einer mittelalterlichen Steinkam-
mer von dem Oberamtmann Johann Levin
Christoph Rumann auf dem Areal eines ehema-
ligen, bis ins 16.Jh. zurückzuverfolgenden
Brauhauses entstand. 1842 erwarb die Stadt
das Rumannsche Haus und nutzte es vorüber-
gehend als Rathaus. Nachdem man 1847 in
das Amtshaus vor dem Höckelheimer Tor über-
siedelte, diente das Erdgeschoss des Hauses
Entenmarkt 3 als Dienstwohnung für Bürger-
meister Iffland. Geprägt wird der doppelge-
schossige, traufständig zum Platz ausgerich-
tete, zeittypische Fachwerkbau durch die dop-
pelläufige Freitreppe, durch hohe Segmentbo-
genfenster und durch markante Dachhäus-
chen. Im rückwärtigen Teil der Parzelle hat sich
eine mittelalterliche „Steinkammer“, eine Keme-
nate, erhalten. H. W. H. Mithoff deutete den
„rechteckigen, mit flachbogigen Tür- und Fens-
teröffnungen versehenen und mit zwei gothi-
schen Kreuzgewölben überspannten Bau ... als
Kapelle ..., die früher im Besitz der Familie
Rumann (war), wie deren Wappen aus d. J.
1768 mit der Bezeichnung: I. L. G. R. anzeigt.“
Im Jahre 1902 entschlossen sich die städti-
schen Kollegien, die zuvor als Aktenrepositori-
um genutzte Steinkammer zu einem Sitzungs-
raum herzurichten. Zwei nachträglich ver-
größerte Fenster an West- und Nordseite
erhellen den Raum, der kurz nach 1900 mit
einer Wandvertäfelung (Tischlermeister Bäuke)
und einem gleichartig gestalteten Ratsgestühl
(Tischlermeister Tiehle) ausgestattet wurde.
1904 wurde der neue Sitzungssaal in Benut-
zung genommen. Hier fanden fortan die Sit-
zungen der städtischen Kollegien und ab 1946
die des Rates der Stadt Northeim statt.
Nachdem 1959 die Stadtverwaltung das „Alte
Rathaus“ verlassen hatte, erfolgten zwischen
1981 und 1983 umfangreiche Renovierungs-
und Restaurierungsarbeiten. In den letzten
Jahren erhielt auch das Ratsgestühl, das


Entenmarkt 2, ehern. "Predigerhaus1’ von 1779

Entenmarkt 3, sog. "Rumansches Haus" von 1768/70


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