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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

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https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0337
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aber auch Eisenerz vom Harz über Moringen
heran, wo 1716 ein “Kohlen- und Eisenstein-
hof” zugleich für die Uslarer Hütte und die
Harzer Silberhütten eingerichtet wurde.
Hergestellt wurde Guss-, Stab- und Schmiede-
eisen. 1718 ergänzte man die Eisenhütte durch
ein Hammerwerk, in welchem aus dem
Gusseisen durch Entzug des Kohlenstoffs
Schmiedeeisen hergestellt wurde, das von den
Schmieden und Schlossern weiterverarbeitet
werden konnte. Dieses Hammerwerk legte man
rund 1 km weiter südlich an der Straße nach
Wiensen an und verband beide Anlagen durch
den Bau des Hüttengrabens, der vom Wasser
der Ahle gespeist wird. Die fortan unter der
Bezeichnung Oberhütte und Unterhütte beste-
henden Anlagen der Sollingerhütte entwickelten
sich zunächst durchaus erfolgreich. Das
änderte sich jedoch im Verlauf des 19.Jh. mit
dem Wachsen der durch Verkehrslage und
Nähe zu den Bodenschätzen begünstigten
Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet und West-
falen. Bereits 1869 wurde deshalb die
unrentable Unterhütte an die Stadt Uslar
verkauft. Gleichwohl bestand die Sollinger
Oberhütte als staatliches Unternehmen noch
bis in den Anfang des 20.Jh., um erst dann als
Privatbetrieb, der sich auch dem Maschinen-
und Fahrzeugbau zuwandte, weitergeführt zu
werden. Unter der modernen Entwicklung des
Industriekomplexes sind die Baulichkeiten der
alten Sollingerhütte zugrunde gegangen. Nur
noch in Teilen erhalten ist das Hüttengebäude
aus dem Zentrum der historischen Anlage der
Oberhütte. Am ehemaligen Standort der Unter-
hütte finden sich noch ein älteres
Maschinenhaus und mehrere, einst mit der
Hütte verbundene Fachwerkwohnhäuser,
deren ältestes der Gründungszeit der Unter-
hütte entstammt (Unterhütte 17, 21, 23),
während die eigentlichen Industrieanlagen des
Hammerwerks heute nicht mehr erhalten sind.
1878 wurde der Bau der Bahnstrecke Nort-
heim-Uslar-Ottbergen vollendet. Die Eisen-
bahn brachte der Stadt Uslar allerdings trotz
ihrer Bemühungen um eine günstigere
Streckenführung keinen Bahnhof in unmittel-
barer Stadtnähe und keinen Anschluss an ihre
Industriezone, vielmehr führte man die Bahn
rund 1 km südöstlich Uslars bei Allershausen
vorbei und legte hier den Bahnhof an. Dessen
Empfangsgebäude, ein zweigeschossiger
Ziegelbau mit Ziegelgliederungen, ist in Gestalt
und handwerklicher Ausführung eine Variante
zu den entlang der Strecke in Hardegsen,
Moringen und Bodenfelde erbauten Bahnhofs-
gebäuden (An der Eisenbahn). Erst mit dem
Bau der Nebenlinie Uslar-Schönhagen, die
1927 eröffnet wurde, konnte ein direkter
Bahnanschluss in Stadtnähe geschaffen wer-
den. In ihrem Verlauf entstand der nicht ohne
Eleganz gestaltete Brückenbau, der die
Alleestraße südwestlich der Altstadt mit einem
weiten Korbbogen überquert, eine Betonkons-
truktion, die durch ihr vorgeblendetes kräftiges
Quadermauerwerk die Tradition des älteren
Brückenbaus noch fortführt.
Unweit östlich der Brücke und in geringer
Entfernung vom ehemaligen Amtshof hatte
gegen Mitte des 19.Jh. der Obervogt Schauffs

Alleestraße 12, Wohnhaus



Försterweg 6, ehern. Forsthaus Knobben, 1752

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