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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0357
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betrieb in größerem Stil fortzuführen (Alienberg-
straße 13).

USLAR/SOHLINGEN

Von dem rund 2,5 km nordwestlich der Stadt
Uslar im Ahletal gelegenen Dorf gibt es schon
aus sehr alter Zeit erste Kunde. So geht aus
frühen kaiserlichen Urkunden des 10. u. 11.Jh.
hervor, dass sich in Söhlingen oder dessen
Nähe im frühen Mittelalter ein Königshof
befand, der dem Kaiser verschiedentlich als
Aufenthaltsort diente. Vier solcher Aufenthalte
sind für “Solega” urkundlich bezeugt. Allerdings
lässt sich die Lage dieses Königshofes heute
nicht mehr bestimmen. Söhlingen liegt an der
alten und wichtigen Heer- und Handelsstraße,
die von der Weser her über Uslar ins Leinetal
führte und deren Linie in großen Zügen die in
der 1. Hälfte des 19.Jh. gebaute Chaussee und
spätere Bundesstraße 241 folgt. Das Kapellen-
dorf gehörte mit seinen 59 Feuerstellen (1784)
zu den größeren Dörfern des alten Amtes Uslar.
Im Ortsgrundriss sind zwei durch den Fluss
getrennte Siedlungskerne erkennbar. Der um-
fangreichere liegt am nördlichen Ufer, ihn
verbindet mit dem südlichen Unterdorf im
Bereich um die Uslarer Straße (B 241) die
heutige Bleichstraße, welche die Ahle mit einer
steinernen Bogenbrücke aus der Mitte des
18.Jh. überquert.
Söhlingen ist als Kapellengemeinde kirchlich an
die Uslarer Pfarrei angebunden. Die Kapelle, die
im nördlichen Ortsbereich liegt, ist ein kleiner
Fachwerkbau mit Bekrönung durch einen
sechseckigen Dachreiter mit Glockendach
(Bäckerstraße). Das auf demselben Grundstück
an die Kapelle anschließende kleine Fachwerk-
wohnhaus war ehemals die Dorfschule
(Bäckerstraße 2). Als Baudatum für Schule und
Kapelle werden die Jahre 1838/40 genannt, die
Kapelle ihrerseits besitzt im Übrigen mit ihren
Stichbogenfenstern und dem barocken Dach-
reiter noch ganz die Gestalt, wie sie die regio-
nalüblichen Fachwerkkapellen in der 2. Hälfte
des 18.Jh. zu zeigen pflegen.
Auf den Hofanlagen des Dorfes zeigen einige
der noch erhaltenen älteren Wohn- bzw.
Wohnwirtschaftsgebäude den Einfluss des
Oberwesergebietes. Die Anlehnung an das
Hallenhaus dieser Region wird besonders
anschaulich in der Gestalt des Hauses
Thieplatz 2 von 1797, dessen großes Dielentor
heute zugesetzt ist. Das benachbarte Wohn-
wirtschaftsgebäude Bleichstraße 8, ein
Fachwerkbau der 1. Hälfte des 18.Jh., der auf
drei Seiten Geschossvorkragungen über gerun-
deten Balkenköpfen und Füllhölzern besitzt,
wird ursprünglich ein Querdielenhaus mit einem
Dielentor an der Südseite gewesen sein. Quer
erschlossene Wohnwirtschaftsgebäude der
mitteldeutschen Art in der regional üblichen
Ausprägung mit der großen Einfahrt im Wirt-
schaftsbereich sind mit dem Haus Bleichstraße
5, das 1831 erbaut wurde, und den großen
Wohnwirtschaftsgebäuden Uslarer Straße 17
und 36 (Nr. 36 datiert 1840), vertreten, die
ursprünglich beide gleichartige hohe Mansard-
dächer besaßen.

Schöningen, Bachstraße 1, Wohnwirtschaftsgebäude, 1835



Schöningen, Allenbergstraße 9, Wohnwirtschaftsgebäude, 1767

Söhlingen, Uslarer Straße 36, Wohnwirtschaftsgebäude, 1840


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