Fliegende Blätter — 31.1859 (Nr. 731-756)

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Nach altem Brauch.

Man durfte es den gute» Leuten in dein einsamen Dörf-
chen 4!. nicht verübeln, daß sie neben manchen andern Dingen,
von denen nichts in der Bibel steht, auch an Irrlichter glaub-
ten. Ueberfiel doch selbst gebildete Männer und aufgeklärte
, Reisende, die ihr Weg über die große, stcinichte Hochfläche
| führte, auf welcher das Dörfchen lag, eine eigenthümlicb bäng-
! liche Stimmung, wen» sie, spät am Abend auf der Straße hin-

wandelnd, ein Paar hundert Schritte weit drinnen im Felde,
wo eine Menge Steinhaufen und dazwischen tüchtige Stücke
soliden Felsgcsteins lagen, ein Ding herumhüpfen sahen, das
in dunkeln Umrissen sich am Horizont abzeichnete, von einem
Punkte aus aber eine stechende Helle verbreitete. Daß das
Bauernvolk, wenn es des Dings ansichtig wurde, sich bekreuzte
und über Hals und Kopf davonlicf, war gewiß natürlich.
Und man erzählte sich gar wunderbare Wirkungen, welche die
Erscheinung bei demselben ha^en sollte. Wann einer der Bauern
in der Stadt etwas stark geladen hatte, so daß die Beine nicht
mehr die gewohnte Festigkeit besaßen, und in »och so großen
Kurven den Weg hintaumclte, so brauchte das Licht nur aus der
Ferne, plötzlich hinter einem Felsstück auftauchend, sich zu zei-
gen, und siehe, der Weindunst flog, als hätte man am Kopf
einen Hahn geöffnet, heraus, die Beine wurden, mit einem
Male fest und stramm und liefe», während sie vorher bestän-
dig untercinandergerathen waren, in schönster Drdnung und
Eintracht neben einander her, und der ganze Mann kam, zwar
im Schweiß gebadet und athemlos, aber zugleich in einem Zu-
stande von Nüchternheit, an dem der strengste Moralist nichts
auszusetzen gefunden hätte, zu Hause an.

Aber auch der aufgeklärte Reisende, der gewohnt war
über das dumme Bauernvolk und seinen Glauben und Aber-
glauben mitleidig die Achseln zu zucken, hielt, wen» er auf
einmal das springende Gespenst und sein hüpfendes Licht sah,
sich nicht lange an Drt und Stelle auf, um den Grund oder
Ungrund des Volksglaubens zu untersuchen, sondern ging rasch,
von Zeit zu Zeit scheu hinter sich blickend, auf der Straße
fort, und war fr ob, wenn er in der Ferne die Häuser auf-
tauchen sich.

Wenn aber vollends das Ding, was häufig geschah, die
nächtliche Stille unterbrach, und wilde Aufschreie, Laute, wie


1t

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Nach altem Brauch"
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Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

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Entstehungsort (GND)
München

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Sammlung Eingang

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Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Dunkelheit <Motiv>
Landbevölkerung <Motiv>
Licht <Motiv>
Verwechslung
Furcht <Motiv>
Sohn <Motiv>
Irrlicht
Aberglaube
Karikatur
Volksglaube
Landschaft <Motiv>
Vater <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

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Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 31.1859, Nr. 741, S. 81 Universitätsbibliothek Heidelberg
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