Fliegende Blätter — 6.1847 (Nr. 121-144)

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Meine

ES handelt sich in der verehrlichen Volksversammlung nament-
lich um eine Hauptfrage, unv die ist: wer soll der Deutschen
Oberhaupt sein? — Viele verehrliche Redner vor mir haben
über diesen Gegenstand schon gesprochen, allein keine Meinung
hat der andern gleich gesehen, und würden wir ganz Deutsch-
land zu einer Volksversammlung berufen können, so mein'
ich allweil, wir kämen doch nicht inS Reine, und das meint
mein Zögling, der übrigens kein Redner ist, auch.

Meine -Herren, wenn sich die Leute sonst nicht zu helfen
wußten, so haben fie sich mit einer Fabel oder Parabel auS
der Klemme gezogen und so will ichS und mein Zögling, der
übrigens kein Redner ist, auch machen. —

Die Frösche haben einstmals den Vater Zeus um einen
König gebeten. Nun denkt Euch, liebe Herren, den Spektakel,
der da durch die ganze Welt ergangen ist; schriftlich haben
die ehrlichen Sumpsbewohner das Ding nicht machen können,
parlamentarisch waren fie auch nicht genug gebildet, um einer
nach dem andern sein Anliegen vorzubringen, kurz, der Lär-
men ward so groß, daß Vater ZeuS, des lieben Friedens wegen,
endlich nachgab, einen gewaltigen Holzklotz ergriff und mitten
in einen großen Sumpf hineinwarf. — Der Klotz ist also rich-
tig eines schönen Morgens unter den Schreiern herum geschwom-
men, und männiglich war erfreut, daß doch endlich etwas da
sei, was regieren solle. Die Frösche find darauf gar vergnüg-
lich um ihr Oberhaupt herumgeschwommen, haben Deputationen

Herren!

abgeschickt. Feste und Turniere gegeben, bis ihnen endlich der
Gedanke gekommen ist, daß der Klotz sich weder rühre noch
rege, höchstens den Platz wegnähme, also ihr König nicht
sein könne. Da hat sich denn endlich die ganze Gesellschaft
atlf den Herrscher hinausgesetzt und gegen den Vater Zeus ein
so gräuliches Lamento erhoben, daß der Weltenerschütterer
versprochen hat, er wolle ihnen einen andern König geben.
Und wie gesagt so geschehen, noch denselben Tag ist ein neuer
König unter sein getreues Volk eingezogen. — Der hat sich nun
freilich anders gerührt, als der vorige, ist auf langen rothen
Beinen und mit zierlich zugespitztcm Schnabel unter den Fröschen
herumgestiegen, und hat sein Regiment damit begonnen, einen
nach dem andern zierlich anzupacken und als Frühstück oder
Abendbrot je nach Umständen zu verspeisen, und so machen eS
die Störche noch alle Tag, wie in jeder Naturgeschichte ge-
druckt zu lesen. —

Ich vermeine nun, meine Herren, die Nutzanwendung sei
nicht weit zu suchen. Was unS Vater Zeus schicken wird, liegt
in der Zukunft Schooß, — wir wollen hoffen, daß es weder
ein Klotz noch ein Storch sei. Daß übrigens allerlei Vögel
um unser schönes Vaterland herumsteigen, und vermeinen, cs
Stück für Stück zu verspeisen, wie der Storch die Frösche,
ist wohl nur zu wahr, und vor solchen Oberhäuptern soll
meine Rede warnen. — DaS, meine Herren, ist meine Ansicht
und die meines Zöglings auch, der übrigen- kein Redner ist. —

Redaktion: Caspar Braun und Friede. Schneider. — München» Verlag von Braun SC Schneider.
Schnellpresse»druck von I. P. Hinimer in Augsburg.

193 Des Herrn Barons Beisele und seines Hofmeisters Dr. Eisele

Ärety - und Duerzüge.

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Titel

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"Des Herrn Barons Beisele und seines Hofmeisters Dr. Eisele Kreuz- und Querzüge durch Deutschland"
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G 5442-2 Folio RES

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Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Braun, Kaspar
Entstehungsort (GND)
München

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Fund/Ausgrabung

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Ausstellung

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Thema/Bildinhalt

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Volksversammlung
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Karikatur
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Reisender <Motiv>
Rede <Motiv>
Satirische Zeitschrift
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Digitales Bild Digitales Bild
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Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
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Fliegende Blätter, 6.1847, Nr. 144, S. 192 Universitätsbibliothek Heidelberg
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