Die Wacht im Osten: Feldzeitung der Armee-Abteilung Scheffer — 1916 (Januar - Dezember)

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Die Wacht im Osten.

aber vom Volk daran gehindert. Jm Phräus
versuchten die Engländer 2 Schiffe zu ent-
führen, woraufhin dte Hafenbatterien feuer-
ten und die Schiffe zur RLckkehr zwangen.

Berlin. Jn verschiedenen Großstädten
Jtalicns mußten Eholeralazarette einge-
rtchtet werden.

Berlin. Der auf Erkundungen aus-
gesandte bewaffnete franzöfische Kutter
„Gtnette" ist bet Korfu vo» einem ll-Boot
oder durch eine Mine versenkt worden. Von
27 Mann der Besatzung kamen 20 um.

London. Llohds meldet: Der britische
Dampfer „Point", 5222 Tonnen, tst ge-
sunken. Die Besatzung ist gerettet.

London. (Reuter.) Der Dampfer
„Jlbribe" wurde am 1. 3. versenkt. Der
Dampfer „Savnia" ist gesunken. Die Mann-
fchaft ist gerettet außer dem Maschtnisten.
Nach etner Lloydmeldung ist der ruflische
Schoner „Ottoman" gesunken. Der Schiffer
und neun Mann find gerettet.

Aus Esbjerg werden Einzelheiten
über die englischen Luftangriffe auf die
nordjüttsche Nordküste mitgeteilt. Am
Vormittag wurden 30 englische Schiffe in
den Gewäffern von Esbjerg gefichtet, unter
dtesen befand fich auch etn gewalttges
Schiff, das 5 Wasserflugzeuge ausschiffte,
die nach südlicher Rtchtung fuhren. Dänische
Schiffer berichten, daß englische Torpedo-
jäger die bewaffneten deutschen Fischdampfer
„Braunschweig" und „Otto Rubolf" bei
dem Roren Cliff auf Shlt in den Grund
bohrten. Zwei deutsche Flugzeuge betelligteu
fich am Kampse. Es wurden noch 48
kletne englische Schiffe beobachtet.

SanFranztSko. Der aus Australien
eingetroffene Dampfer „Sonoma" Lber-
brachte Einzelheiten über eine Riesen-
meuteret der australischen Soldaten, die
vom 14.—16. 2. fich im Truppenlager bei
Sidneh abspielte. Für den Grund werden
Bermehrung der Exerzierstunden, Bekannt-
werden der schweren Berluste der australi-
schen Soldaten bei den Dardanellen, die
scharfen Strafen gegen die australischeu
Freiwilligen in Aeghpten angegeben. Jn
der Nacht zum 15. 2. besetzten 18000 erst
kürzlich etngelleidete Soldaten den Bahn-
hof des Vorortes von Liveipool bet Sidneh
und verhinderten die Abfahrt der Züge.
Sie fuhren dann nach Sidneh und hausten
wie Vandalen. Es gelang schließlich, der
Aufrührer Herr zu werden, nachdem viele
Soldaten und Aufrührer getötet oder ver-
wundet waren.

Petersburg. Der Kriegsminister
General Poliwanoff ist auf eigenrs Er-
suchcn aus seinem Amte entlassen. Sein
Nachfolger ist der Chef der Jntendantur
Generaltntendant General der Jnfanterie
Schuwajeff. Poliwanoff ist der Rest der
Organtsatoren der rufftschen Armee nach
dem unglücklichen japanischen Kriege. Seine
Arbcit als Gehllse des Kriegsministers ver-
dankt Rußland seine schnelle Mobilisation
im Weltkriege, ebenso die llmgestaltung
der Artillerte. Das Kriegsministerium
übernahm er erst im Jult 1915.

Petersburg. Es wird gcmeldet,
daß der Reichsrat -en neuen Einkommen-
fteuervorschlag in dritter Lesung ange-
nommen hat.

BudaPest. Petersburger Blätter mel-
den, daß die seit acht Tagen andauerude
krästtge Offenfive abgeflaut und zum
Stellungskampfe geworden ist. Das Wetter
berellet den rusfischen Truppen Schwierig-
keiten, ebenso Tauwetter und Schnee-
schmelze, die nun auch an der Polestefront
eingetreten find. Dtese Zell wird vo» de«

Russen verwendet, um ihre Formattonen
zu ergänzen und die Fronten zu ver-
beffern.

Amsterdam. Aus Phlladelphia: Ruß-
land bestellte bet der Baldwin Lokomottven-
baugesellschaft 350 Gasolinlokomottven,
welche zur Beförderung von Munition und
Proviant in den Laufgräben verwendet
werden sollen.

Berlin. Fllipescu, der aus Rußland
zwei Wochen früher als geplant zurück-
gekehrt tst, schweigt iu Bukarest über den
Erfolg seiner Reise. Man glaubt, daß die
Reise eine Enttauschung gewesen tst.

Berlin. „B. T." meldet aus Rotter-
dam, daß die Kabelverbindung zwischen
Holland und England völlig unterbrochen
sei. Die Kabel seien wahrscheinlich gekappt
word«».

Haag. Der Kriegsminister teilte mll,
daß der angekündigte außerordentliche
Kredit von 50 Millionen Gulden nicht
ausreichen werde, und daß er auf 100
Millionen Gulden erhöht werden müffe.

London. AuS Harwich: Die Besatzung
des dänischen Dampfes „Harriet" ist hier
eingetroffen. Der Kapitän berichtet, daß
der Dampfer auf eine Mine ausgelaufen sei.

Washington. Funkspruch. Die Ver-
treter der Berbündete» autworteten auf
Lanfings Antrag der Entwaffuung aller
Kauffahrteischiffe einzeln, und lehnten tat-
sächlich ab. Die Vereinigten Staaten werde»
zur Jnsormation aller Nationen einen um-
faffenden Bericht über die Stellungnahme
zur Frage des U-Bootskrieges und der Be-
waffnung der Kauffahrer zu Verteidigungs-
zwecken absaffen. Es wird wahrscheinlich
ein Rundschreiben an die Mächte gerichtet.
Diese Verlautbarung wird unter sorglicher
Beachtung aller von beiden Teilen der
europätschen Kriegführenden geltend ge-
machten Ansprüche vorberellet, es wird
erklärt, daß die Vereinigten Staaten un-
veränderlich die berells aufgestellten Grund-
sätze vertreten.

Washington. (Reuter.) Staats-
sekretär Lanfing teilte mit, daß der ameri-
kanische Botschafter in Berlin beauftragt
sei, die deutsche Regierung zu beftagen, ob
deuffche U-Boote die „Suffex" und den
„Englishman" torpedierten.

Berltn. Die Ausführungen des
Reichskanzlers haben auf die Abgeordneten
aller Parteien einen besonderen Eindruck
gemacht, weil seine Aussührungen und die
des Staatssekretärs des Reichsmarineamts
fich ergänzt haben. Durch diefe Erklärung
der Vertreter der Reichsregierung dürfte
der Boden einer weiteren Annäherung der
bürgerlichen Parteien in den schwebenden
Fragen geebttet sein.

Konstantinopel. Mackensen reiste
Dienstag nachmittag ab.

Zum Wochenschluß.

JesuS spricht: „Bleibet m meiner Liebe."

Was hetßt Lieben? Die Menschen fingen
und sagen soviel davon. Wir redeu von
Mutter- und Kindesliebe, von Liebe zu
König und Vaterland, von Gottes- und
Menschenliebe. Wir rühmen die Macht der
Liebe, und irgendwann im Leben ergreift
fie jeden. Wir preisen das Glück der Liebe
und beklagen ein liebeleeres Leben als ein
armes Leben. All dte großen fittltchen
Güter, die uns heilig find: Baterland,
Famtlie, Freundschaft, oder an welche wft
sonst denken, leben durch die Liebe. lleber
dev größten Zetten eiues Bolkes, wie des

einzelnen Menschenlebens steht die Neber-
schrift: Liebe.

Was heißt Lieben? Siehe Christum,
dann weißt du es. Jnsonderheit sein Lei-
densweg ist eine einztge große Offenbarung
der Liebe. Da wird thr Wesen vor aller
Welt enthüllt: Lieben heißt: Leiden; Lieben
heißt: Opfer bringen. Liebe, die das nicht
kann oder will, ist falsch und unecht.
Keinen andern Prüsstei» ihrer Reinhett
gibt es, als den Willen zum Opfern und
Leiden. Willst du Soldat wiffen, wie groß
deine Ltebe zu Kaffer und Baterland ist,
frage dich, welche Leiden zu tragen, welche
Opfer zu bringen du bereit bist. Willst
du Gatte und Bater, Freund unb Kame-
rad wiffen, wie groß deine Liebe zu Frau
und Kind, zum Freunde und Kameraden
ist, ftage dich, welche Leiden und Opfer du
auf dtch zu nehmen gewillt bist.

Leiden und Opfern — nicht aus Zwang
oder Furcht, nicht aus Berechnung oder
Selbstsucht, sondern aus voller Freiheit
heraus; fich hingeben mll Herz und Sinn,
mit Leib und Seele zu Dienst und Nutz
und Glück des andern: das heißt Lieben.

Das macht mit die Größe unserer Zell
aus, daß dieser Liebeswille zum Letden
und Opfern wieder lebendig geworden ist.
„Was ich bin und was ich habe, schenk
ich dft, mein Baterland." Jn dieser Liebe
fingt der Soldat vor dem Feinde: „Lieb
Vaterland magst ruhig sein, fest steht und
treu die Wacht am Rhein"; fingen die Da-
heimgebliebenen: „Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Mann's gründet des Herr-
schers Thron wie Fels im Meer".

Jn dieser Liebe hetßt uns Jesus bleiben,
aushalten, darin nicht wanken Sie darf
nicht erkalten, mag der Krieg noch so lange
dauern; nicht erlöschen, wenn Friede ist.
Wir werden fie so nötig brauchen, die
tausendfachen Wunben zu heilen, die der
Kricg geschlagen hat. MU ihr tritt aber
auch entgegen dem Freund und Kameraden,
der Gattin und den Kindern, dem Men-
schen, der dir zufällig im Leben begegnet.
Mll ihr sollen wir einander das Leben
lcicht und licht, lebenswert und herrlich
machen.

Mit dieser Liebe danke vor allem Jesu
für die scine, mit dieser Liebe, die ihm
Leib und Leben zum Opfer bringt.

Wo diese Liebe ist, da tst Glück und
Sonnenschein, da ist der Himmel auf Erden.
Jhr geloben wir uns:

Liebe, die mich hat gebunden
An ihr Joch mit Leib und Sinn;
Liebe, die mich überwunden
Und mein Herz hat ganz dahi«;

Liebe, dir ergeb ich mich,

Dein zu bleiben ewigltch. Amen.

_ Sr.

Bisumrck im Wellkrikge.

Kein 1. April ist uns Deuffchen auf der
ganzen Erde denkbar ohne die lebendige
Erinnerung an Otto don Bismarck — wte
können wir, noch immer im furcht-
baren Weltkrieg stehend, tn diesem Jahr
sein vergessen! Das Unsterbliche iu Bis-
marck ist das Unsterbliche im neuen
Deutschland, unsere wcltüberwindende Seele:
die auf das Handeln eingestellte gesunbe
Krast, Seit dem 30. Juli 1898 schläst der
Recke im Sachsenwalde, der größte Preuße
und der größte Deutsche zugleich, diese
herrliche Stteseneiche, von deren Rauschen
dcr alte Fontane sich wundersam berührt
fühlte; nach dreitausend Jahren flüftern fich
erschauernd in deutschen Wäldern deutsche
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