Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Vorwort

Seitdem der Engländer J. T. Wood im Jahre 1874 seine langen Grabungen in
Ephesos mit der Freilegung des Artemision beendigt hatte, war kein Einsatz wieder erfolgt,
der die archäologische Erforschung des Ortes erweitert hätte. Schien ihr auch ein Anreiz
entzogen durch die Entdeckung des berühmten Heiligtums, dessen Überreste im Alluvium
des Tales spurlos verschwunden waren, so hatte doch die Berichterstattung des Entdeckers
selbst gezeigt, in Avelchem Umfange noch bedeutende Aufgaben nachzuholen und neu zu
erledigen seien. Wie Kundige sich mit jedem Augenscheine überzeugten, stand nicht eine
Ährenlese in Frage, vielmehr eine frische Ernte, die unberufene Eingriffe jeweilig zu
schädigen am Werke waren. Es ließ sich daher empfehlen, sie mit Ernst in Angriff zu
nehmen, und als Aufgabe darf ich sie dem Wiener Studienplätze jetzt zugewonnen und
anvertraut glauben.
Das österreichische Unternehmen, dessen Erträgnisse in dem vorliegenden Werke
allmählich zur Veröffentlichung gelangen sollen, hat die einstige englische Tat in Ephesos
zur Voraussetzung und wünscht sie den heutigen Zielen und Methoden unseres Berufes
entsprechend weiter zu führen. In diesem Sinne erstrebt und verspricht es nicht mehr als
Forschungen in Ephesos zu bieten. Denn an eine Erforschung von Ephesos durch er-
schöpfende Ausgrabungen wie in Olympia oder Delphi wäre bei der tiefen Verschüttung
und dem räumlichen Umfange der Großstadt, deren Entwicklung sich im Laufe der Zeit
über ein Gebiet von etwa zehn Quadratkilometern erstreckte, wenn überhaupt, wie für
Kenner keiner Erinnerung bedarf, nur in Arbeitsteilung und selbst dann kaum in absehbarer
Zeit zu denken. War es unter solchen Verhältnissen doppelt geboten, sich an Fortschritten
des Wissens zu bescheiden und erreichbaren Hauptsachen zuzuwenden, so blieb uns
anderseits die erhöhte Pflicht gegenwärtig, der Untersuchung nach Kräften durch Gründlich-
keit zu ersetzen, was ihr an Ausdehnung versagt bleibt.
Mit welchen Vorarbeiten das österreichische Unternehmen vor zehn Jahren in privater
Form begann, durch wessen Hand es dann feste Gestalt erhielt und mit wie beschaffenen
Ergebnissen es seitdem ununterbrochen fortbetrieben wurde, ist bereits in einer Serie vor-
läufiger Berichte erzählt, die im Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
in Wien erschienen und in den Jahresheften des österreichischen archäologischen Instituts
regelmäßig wiederholt worden sind. Eingehende Nachrichten bot auch ein von dem Director
der kaiserlichen Antikensammlungen verfaßter Katalog von Fundstücken, die aus Ephesos

Forschungen in Ephesos I.

2
 
Annotationen