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deren Lauf unlängst genau verfolgt worden ist.1) Der kürzeste und wahrscheinlich älteste
nutzte die hochliegenden Quellen des Marnasbachs, während die beiden anderen von Südwest
und Nordost her aus tagereiseweiten Entfernungen kamen. Diese abwechselnd in Hochbau
und Stollen durchgeführten Anlagen sind bis auf verbliebene Bogenstellungen, unter anderem
eine zweigeschoßige Gewölbebrücke Augusteischer Zeit in der Marnasschlucht,2) endgültig
verfallen. Auch steht nur teilweise noch und als Ruine ein vierter mittelalterlicher Aquäduct
aufrecht, der aus marmornen Werkstücken und Inschriftbasen des Altertums erbaut, vom
Osthange des Tales aus eine Druckleitung auf den Gipfel des Ajasolukhügels trug. In neuer
Fassung speist jetzt seine Quelle den Brunnen des Bahnhofs und für die Bedürfnisse des
Dorfes ist von der Stelle, wo der Marnas in die Ebene tritt, eine weitere, teilweise zutage
liegende Leitung abgezweigt, die am Südfuße des Hügels im Tröge eines antiken Sarkophages
endet (Fig. 8). An beliebigen Stellen wird sie aber für Wäschereien mißbraucht und zur
Berieselung der Felder unterbrochen. Im Juli und August können beide Leitungen versagen.
Um so erstaunlicher ist die Wasserfülle, die sich schon an Sturm- und Gewittertagen
des Herbstes rapid aus allen Richtungen einstellt. Im Verlaufe weniger Stunden intensiven
Regens schwillt dann der Kaystros in seinen niedrigen, an den Tiber erinnernden Lehmufern
an und tritt mit einem Male weithin über. Rasch verwandeln sich die trockenen Rinnen
der Bergwände in Silberadern, die bescheidenen Bäche in Ströme. In reißendem Wechsel
läuft ihre Flut über die Niederung, sammelt sich an den Dämmen der Eisenbahn und der
Chaussee und gewinnt hier Stoßkraft, die gemauerten Durchlässe zu unterwühlen, die Brücken
zu gefährden. Die ganze eben noch in Dürre schmachtende Landschaft scheint in Aufruhr
und saugt sich satt in gierigem Durste. Die umhegten Baumpflanzungen stehen in Teichen,
das Tal wird ein großer glänzender See mit einzelnen dunklen Inselflecken, die auch
ihrerseits alsbald verschwinden. Das Phänomen ist so plötzlich und gewaltig, daß es den
Nordländer wie ein Wunder anmutet.
2. Die Landschaft im Altertum.
Überschlägt man, daß es seit Jahrtausenden und, soweit menschliche Erinnerungen
zurückreichen, schwerlich je unter einem reicheren Vegetationsstande der Gebirge, sich
ständig wiederholt, so wird als Folge eine continuierliche Ansammlung von Sinkstoffen in
solcher Fülle begreiflich, daß sich das Relief der Gründe im Laufe der Zeit umgestalten
mußte. Ausgrabungen in der Ebene, die bis in die Tiefe von 8m drangen,3) haben gelehrt,
daß der Körper des Talbodens aus wechselnden Schichten von Geröll und Kies, von Lehm
und fetter Erde besteht. Er stammt mithin von der ewigen Arbeit, die der Kaystros im Bunde
!) Forchheimer, Jahreshefte I Beibl. 81 ff. 3) Jahreshefte I Beibl. 56. S. unten den Bericht über die
2) CIL III Suppl. p. 1286 n. 7117. Grabungen in der Nähe des Artemision.
 
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