Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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nannte große Gymnasium bezogen, dessen Ruinen am Südfuße des Panajirdagh liegen.1)
Aber ein Recht dazu fehlt; schon die Altstadt hatte zu Xenophons Zeiten2) mehr als ein
Gymnasium und die S. 41, 3 angezogene Inschrift lehrt, daß die Neustadt in der Kaiserzeit
eine Menge Bäder besaß. Der Zusammenhang der Rede des Aristides beweist, daß ihm
im Verlaufe seiner entsetzlichen Abhärtungscuren auch in Ephesos wieder ein Kaltbad vor-
geschrieben war; ein solches wird eher am Ostfuße des Bülbüldagh vorauszusetzen sein,
wo das Hochquellwasser des Marnas unmittelbar zu haben war, und den ganzen Stadtteil
jener Gegend bedeckt noch unberührter hoher Schutt. Jedesfalls ist das fragliche Gymnasium
für die hier erörterte Bergfrage irrelevant.
Anders verhält es sich mit einer Stelle des Diodor.3) In einer episodischen Erzählung,
die dem letzten Kriegszuge des Spartaners Thibron im Jahre 391 v. Chr. gewidmet4)
und als flüchtiges Excerpt bis zur Unverständlichkeit vag ist, wird ein unbekannter (viel-
leicht karischer) Ort Ionda und der ephesische Berg Koressos genannt, deren Thibron sich
bemächtigte, um Beutezüge in persisches Gebiet auszuführen. Der genauer unterrichtete
Xenophon macht dagegen Ephesos, die Städte des Maiandertales Priene und Leukophrys,
schließlich ein Achilleion5) (vielleicht das Phrurion bei Smyrna nach Stephanos von Byzanz)
als Stützpunkte seiner Unternehmungen namhaft. Diodor bezeichnet nun den Koressos als
einen hohen Berg, der vierzig Stadien (ungefähr sieben Kilometer) von Ephesos abliege.
Für den am Meere liegenden, fast allseitig isolierten Pamudschak, dessen antiker Name noch
aussteht, träfe diese Entfernung zu und offenbar deshalb hat Ernst Curtius6) den Namen
Koressos für das ganze Bergrelief bis zur Küste hin in Anspruch nehmen wollen. Aber der
Pamudschak ist nach Lage und Form ungeeignet, als Operationspunkt zu dienen, während
der Bülbüldagh einen naturfesten Sitz bot, der nicht nur das Meer, sondern das ganze Tal
und insonderheit Ephesos beherrschte; ihm allein auch gebührte im Stadtgebiete das Epi-
theton des hohen Berges. Es ist daher wahrscheinlich, daß die vierzig Stadien entweder
auf einer Nachlässigkeit Diodors oder auf einem Fehler der Überlieferung beruhen, wofern
nicht etwa angenommen werden soll, daß die Zeit des Aufstieges von Altephesos her in
ein Wegemaß umgerechnet ist. Ein Fußgänger bedarf gegen zwei Stunden, um von Ajasoluk
aus auf den höchsten Punkt des Bülbüldagh zu gelangen.
Dem Koressos zugehörig und unmittelbar vorgelagert ist ein Hügelzug, der den

Antiquities of Ionia II 28 ff. pl. XXXIX—XLIII.
2) Xenophon, Hellenika III 4, 16: έκ τούτου δέ παρην δράν
τα μεν γυμνάσια πάντα μεστά άνδρών των γυμναζόμενων, τον δέ ιππό-
δρομον των ίππαζομένων κτλ. Agesilaos I 25.
3) Diodor XIV 99? χ· Σπαρτιαται . . . θίβρωνα στρατηγόν εις
την Ασίαν έξέπεμψαν. δς κατελάβετο χωρίον ’Ίονδα [τό -χωρίον Πίονα
vermutet Fr. Vogel] καί Κόρησσον δρος υψηλόν, της Εφέσου άπέχον
σταδίους τετταράκοντα. Xenophon, Hellenika IV 8, 17 '0 δέ (θίβρων)
διαβάς τε καί δρμώμενος έξ Εφέσου τε κα'ι των έν Μαιάνδρου πεδίφ
Forschungen in Ephesos I.

πόλεων Πριήνης τε καί Λευκόφρυος καϊ Αχίλλειου, έφερε καί ήγε την
βασιλέως.
4) Ε. Meyer, Geschichte des Altertums V 258.
5) Imhoof-Blümer, Kleinasiatische Münzen I 65, 3 ver-
mutet (unter Beistimmung von L.Bürchner bei Pauly-Wissowa,
Suppl. s. v. Sp. 7) „den damaligen Namen einer Stadt des
Mäandertales in der Nähe von Priene oder Magnesia“.
6) Ernst Curtius, Beiträge zur Geschichte und Topographie
Kleinasiens S. I.
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