Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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solche Officianten meines Wissens sonst nicht erwähnt und hier müßte das Fest doch
wenigstens angedeutet sein, was nicht der Fall ist. Auch wäre eine speciellere Bezeichnung
ihrer Befugnis und eine hieratische Function des Dedicanten zu erwarten, der ja von dem
voraus genannten Isispriester verschieden ist. Unter so bewandten Umständen scheint es
geboten, an dem auch bei Prosaikern1) durchgehend und allein bezeugten Wortverstande von
ναυβάτης, ναυβατεΐν, festzuhalten und Schiffsreisende oder Schiffer schlechthin zu verstehen.
In den verschiedensten Formen ist ja die allgemeine Sitte bekannt, nach glücklich
bestandener Seefahrt in Heiligtümer Weihgeschenke2) oder Abbreviaturen von solchen zu
stiften, um die zu Beginn oder während der Fahrt eingegangenen Gelübde auszulösen. Am
einfachsten war es, wenn der Capitän des Schiffes eine Stele mit seinem und seiner Genossen
Namen aufstellte oder sich auch wohl allein am Orte der Landung mit einer Votivformel
anschrieb,3) wie etwas Ähnliches noch heute von Matrosen im Mittelmeere allenthalben, oft mit
dem Namen des Schiffes, geschieht. Beispiele dieser Art sind in Menge erhalten, mit oder
ohne besonderes Weihgeschenk. Am nächsten entspricht dem ephesischen Falle die Auf-
schrift einer Basis, die ohne das zugehörige Votiv in Delos zutage trat: Ein Eutyches aus
Nymphaion von der taurischen Chersones stiftete es zu Ehren von Sarapis, Isis und anderer
Götter für sich selbst, seinen Sohn und alle Mitschiffer;4) dabei überging er seine Eigenschaft
als Capitän, die sich von selbst verstand, genau so wie es hier Pomponios hielt. In Byzanz
oder Samothrake war eine Stele der Koer geweiht, mit einem Namensverzeichnisse des
Stabes und der Mannschaft einer unter dem Oberbefehle des Legaten Varro im zweiten
mithridatischen Kriege dienenden Trierer die Bearbeiter dieser historischen Inschrift5) haben
auf andere analoge Weihungen hingewiesen. Dem Priapos von Kallipolis am Hellespont
war die sachlich wie sprachlich merkwürdige Inschriftstele einer großorganisierten Fischer-
gilde gewidmet, die nach dem Erträgnisse einer größeren Unternehmung ihre Mitglieder mit
deren Obliegenheiten namentlich aufführte.6) In Tenedos dankte den Dioskuren inschriftlich
ein Rhodier Eunomos mit seinen Matrosen.7) Man sieht, der Anlaß der Dankbezeigung, der
selten angegeben, meist nur zu erraten ist, variiert selbstverständlich je nach Gefahr oder
Erfolg, gemeinsam aber bleibt, daß der oder die Hauptbeteiligten an der Seefahrt im
Heiligtum sich durch ein Geschenk und eine Schrift oder durch die letztere allein mit den
Genossen verewigen. Was in den angeführten Beispielen die Epibatai, Synnautai, Syns-
kanoi usw. sind, bilden in Ephesos die Naubatuntes, seien es nun Passagiere oder Matrosen

1) Herodot I 143; Thukydides I 121, VII 75, VIII 44;
Philostratus jun. 8 und II; Philo II p. 465, 36.
2) Conze, Untersuchungen auf Samothrake II 75 ff.
3) Vgl. Boeckh zu CIG II 1824; C. Patsch, Das Sandschak
Berat in Albanien 90 ff.; I. G. XII 712.
4) Hauvette - Besnault, Bulletin de corr. helldn. VI 328
n. 22 Z. 2 υπέρ έαυτοΰ καί του υίοΰ Εύβούλου καί υπέρ των πλοϊζο-
μένων πάντων.

5) Kaiinka und Hiller von Gaertringen, Jahreshefte I 31 ff.,
Beibl. 87 ff.; H. Willrich, Hermes XXXIII 657 ff. Den Com-
mandanten (Trierarchen) der Tetrere weist R. Herzog, Koische
Forschungen 45 in Kos als Käufer eines Priesteramtes nach.
Anderes bei H. van Gelder, Geschichte der Rhodier 350 ff.
6) Dumont-Homolle, Melanges d’archeologie p.432 n. ioom.
7) H. van Gelder, Geschichte der Rhodier 350 ff. mit
weiteren Beispielen.
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