Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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Portolane, welche ein , casale* la Figuella (mitunter auch Figuela oder Figera) bei Ephesos
ansetzen.1) In beiden Formen reizte der rätselhafte Name zu kindlichen Etymologien, von
πυγή oder φυγή, zu deren Begründung dann historische Fabeln ersonnen wurden: hämorrhoide
Ruderknechte Agamemnons oder Flüchtlinge sollten die Ortsstifter gewesen sein. Die erstere
Ableitung kannte schon Theopomp;2) nach einer Vermutung Karl Müllers entnahm er sie
einem nahezu verschollenen ionischen Schriftsteller Demokies,3) der dann, als Φυγελεύς am
Orte geboren oder zuständig, die andere, gutmütigere Ableitung befürwortet haben dürfte.
Als Ethnikon ist auch Phygelites oder Phygelios in Gebrauch, wozu die Namen Phygelios
und Phygelios treten.4)
Strabon hat Pygela zwischen Marathesion und Ephesos; nach Dioskorides und dem
Etymologicum magnum lag es in der Nähe von Ephesos. Der Küstenlauf von Scalanova
bis an die Kaystrosmündung zeigt heute nur an einer Stelle Ruinen und bot nur dort
Raum für eine bescheidene Ortschaft: in dem Winkel, den das Südende des Pamudschak
mit einem nach Westen unbedeutend vorspringenden Felscap bildet. Der Weg von hier,
der Küste und dem Kaystros entlang, mißt bis Ajasoluk zehnthalb Kilometer. Der h. Wilibald,
der ihn im Jahre 722 zurücklegte, gab ihn aus dem Gedächtnis zu gering an, nur auf zwei
Meilen (2’957 Kilometer), wie er auch die Entfernung vom Meere bis zur Stadt nur auf
eine Meile schätzte, während sie in Wahrheit über fünf Kilometer betrug. Immerhin be-
stätigen diese Kürzungen, daß die von ihm besuchte, ,secus mare‘ befindliche ,villa magna,
quae vocatur Figila* in der Nähe der Stadt lag.5)
Die schmale Ebene, die sich am Westfuße des Pamudschak hinzieht, ist eine alluviale
Bildung der Gießbäche, die temporär in den Bergfurchen herabstürzen. Am tiefsten land-
einwärts, anderthalb Kilometer weit, erstreckt sie sich an ihrem Südende, wo die Berg-
formen in einem spitzen Winkel Zusammenstößen, den einst der stärkste jener Gießbäche
mit Geröll und Humus ausfüllte. Hier wird die Ebene bebaut, während ihre westliche
Hälfte mit Schilf und Gestrüpp bestanden ist bis zu einem breiten Sandstreifen, den das
brandende Meer am Ufer absetzt. In ziemlichem Abstande einwärts von diesem Sand-
streifen ist nun im heutigen Uferboden auf eine gewisse Strecke der antike Gestadelauf
zu verfolgen. Er bildet eine kleine, nicht mehr als fünfzig Meter weit ausladende Halb-
insel mit einem schmalen Isthmus, auf dessen beiden Seiten sich, je nach dem Winde,
anlegen ließ. Die Halbinsel hat jetzt rings Stützmauern aus Bruchsteinen mit Kalkmörtel

1) W.Tomaschek, Zur historischen Topographie von Klein-
asien a. a. O. S. 34 f.
2) Fragm. histor. Graec. I 287, Theopomp. 62. Harpo-
kration s. v. Πύγελα . . . πόλις έστίν έν τη Ίωνίςι τά Πύγελα, ήν
Θεόπομπός φησιν έν έκτη λαβεΐν τοΰνομα, έπειδή των μετ’ Άγαμέμνονός
τινες διά νόσον την περί τάς πογάς ένταΰ·θ·α κατεμειναν. Theopomp
figuriert als historischer Zeuge in der eben genannten Ur-
kunde über den Streit zwischen Priene und Samos, zusammen

mit Kreophylos, was auf S. 53 hätte erinnert werden sollen.
Vgl. Th. Wiegand und H. Schrader, Priene 30.
3) Fragm. histor. Graec. II 20. E. Schwartz bei Pauly-
Wissowa V 133 n. 12.
4) GIG II 3027. Ad Timotheum II I, 15. Synaxarium
Constantinopolitanum ed. H. Delehaye p. 785, 23. Chronicon
Paschale II 124 ed. L. Dindorf.
5) . T. Tobler, Descriptiones terrae sanctae p. 20; 60; 325.
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