Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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die äußere Verkleidung eines Kalksteinkernes, von dem noch zwei Schichten erhalten sind.
Zwei der Marmorsteine zeigen die auch bei den Resten der Cellamauer beobachteten
verticalen Gußcanäle (vgl. Fig. 198, erster Stein im Vordergrund). Die tiefe Lage, das

Material und die Bearbeitung der Quadern beweisen, daß die Steinsetzung zum alten Tempel

Fig. 196 Stein aus dem Pflaster der alten
Tempelcella.


gehört. Da sie genau in der Mittelachse der Cella liegt,
gehört sie wahrscheinlich zu der alten Cultbildbasis.
Aus hellenistischer Zeit stammen die großen
Fundamentmauern aus unregelmäßigen Kalksteinblöcken
verschiedener Größe (Tim Grundriß Fig. 181), die nördlich
und südlich des Tempelbezirkes parallel zur Längs-
achse verlaufen. Die nördliche Mauer ist etwa 2m breit

und hat nach dem Tempelinnern zu, in ziemlich regelmäßigen Abständen von 4m Vor-
sprünge von i’5om Breite und 3 bis 4m Länge. Diese Vorsprünge wiederholen sich bei
der südlichen Mauer, die sich aber wegen der üppigen Vegetation nicht weiter als im Plan
angegeben, verfolgen ließ.
In dem an vielen Stellen der Ruine erhaltenen polygonalen Marmorpflaster des alten
Tempels befinden sich bei L (vgl. Grundriß Fig. 181) zwischen den Anten des Pronaos drei
sorgfältig eingearbeitete rechteckige Löcher, etwa o’iom lang, von denen Wood vier oder
fünf gesehen hat, die 19 inches auseinander lagen und zur Aufnahme eines Eisengitters
bestimmt gewesen wären. Ob diese Annahme richtig ist, läßt sich nur durch sorgfältige
Aufgrabung und Reinigung der jetzt sehr verwachsenen Stelle feststellen.
Reste von sehr späten Fundamentbauten finden sich noch bei A und B, dort dicht
an die Quadern der alten Cellamauer angebaut (a in Fig. 183), hier angelehnt an die Kalk-
steinummantelung (b in Fig. 184). Nach Osten läßt sich dies Mauerwerk, das zum größten
Teil aus kleinen Marmorsteinen in Mörtel hergestellt ist, noch eine längere Strecke weit
verfolgen, genau in der Flucht der nördlichen Kante der Cellawand und biegt dann etwa

33m östlich von A nach Norden um (K in Fig. 181). Dieses späte Mörtelmauerwerk nennt

Wood ,Fundamentpfeiler einer Kirche*, die er punktiert in seinen Grundriß des Tempels

einzeichnet. Sie wurden durch ihn teils unter Anwendung von Pulver zerstört zur Gewinnung

der darin verbauten Sculpturreste, so daß sich ihre ursprüngliche
Form nicht mehr erkennen läßt. Haufen kleiner Reste dieses Mörtel-
mauerwerkes bedecken jetzt noch die Ruinenstätte und zeigen, wie
gründlich Wood seine Nachsuchungen betrieben hat. Ob das Mauer-
werk wirklich einer christlichen Kirche angehört, von der weiter
keine Spuren auf der ganzen Ruinenstätte zu sehen sind, oder
nicht doch schon einem spätrömischen Ausbesserungsbau, läßt
sich bei dem gegenwärtigen Erhaltungszustand nicht entscheiden.

K. S.O)A ..>1


Fig. 197 Grundriß der Stein-
setzung H.
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