Antiquariat Emil Hirsch
Seltene und seltsame Bücher vergangener Zeiten: Americana, Holzschnittbücher, Judaica, Medizin, Naturwissenschaften, Reformation u.a. (Katalog-Nr. 55) — München: Emil Hirsch, Antiquariat, 1929

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Reformation

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622 SYLVIUS, P. Von den letzten fünf! büchem ... Darynne das erste er-
klert die vnderscheid zwischen der warhafftigen vnnd der boshafftigen
Kyrche. Leipzig, (M. Landsberg), 1528. 26 unn. Bll. 4°. Br. 15.—
Pet. Sylvius (Penick von Forst in der Lausitz), Kaplan zu Rochlitz. Wegen
Armut konnte er seine Schriften erst spät drucken lassen. In der vorliegenden behan-
delt er die Leipziger Disputation, Luthers Sermon vom ehelichen Stand etc.
623 TESTAMENTUM, Novum, graece (ed. W. Köpfel). Argentorati, Vuol-
fius Cephalaeus (Köpfel), 1524. Mit Titelbordüre, Titel-
vignette u. Druckerzeichen v. A. Woensam v. Worms.
160, 118 num., 2 unn. Bll. 2 Tie. in 1 Bde. 8°. Lederbd. d. Zeit m. reicher
Ornament. Verzierung u. Goldtitel. 48.—
Köpfel, Drucker u. Herausgeber, machte sich um die Verbreitung reformatorischer
Ideen in Straßburg verdient. — Hübsches Exemplar in bemerkenswertem Einbande
der Zeit. Titel u. letztes Bl. gestempelt, am Schluß mehrere alte Vorbesitzereintragungen
u. Kaufvermerke, die früheste vom Erscheinungsjahr 1524.
624 (VADIANUS, JOACH., oder PAUL ELIAS, ps.:) Judas Nazarei.
Das wolff gesang. (Großer Holzschnitt.) Ain ander hertz, ain ander
klayd, Tragen falsche woelff in der hayd. Damit sy den gensen lupffen,
den pflum ab den kröpffen rupffen Magstu hie bey gar wol verston, Wa
du lisest die buechlein schon. O. O., Dr. u. J. (Nürnberg, Friedr. Peypus?,
ca. 1520). Mit merkwürdigem Titelholzschnitt, Papst
u. Kardinäle mit Wolfsköpfen fangen mit einem Netz
Gänse, leicht ankoloriert. Got. Typ., 20 unn. Bll. 4°. Br. 75.—
In keiner Bibliographie erwähnter Nachdruck (vgl. Weller 2225. Maltzahn I, 454.
Heyse 577. Goedeke II, 278, 5, 2).
Frühes deutsches Pasquill gegen die römischen Geist-
lichen im allgemeinen und den Franziskaner Thomas Murner inson-
derheit. Jene werden als Feinde der Christenheit als Wölfe eingeführt und dar-
gestellt, nur Murner wird mit einem Katzenkopf dargestellt, der ihm von nun an
in allen Streitschriften aufgesetzt wurde. „Das Büchlein ist unmittelbar nach der
B annung Luther s, die am 15. Juni 1520 erfolgte u. bald darauf auch in Deutsch-
land bekannt wurde, verfaßt u. es mag wohl dieses Ereigniss den Anlaß zu dem Er-
güsse gegeben haben, der zwar in der Form manches, aber an Klarheit u. Freimütigkeit
in keinerlei Weise etwas zu wünschen übrig läßt. Sowohl die polemische Stellung
gegenüber der Hierarchie, als die freundliche gegenüber dem großen Reformator ist
scharf gezeichnet u. eine Fülle neuer für die Zukunft fruchtbarer u. maßgebender An-
schauungen gegeben“ (Baur, Deutschi. i. d. J. 1517—25, S. 38). Die Autorschaft ist
nicht geklärt, doch hat die Lösung mit Vadian (Jan von Watt) die größere Wahr-
scheinlichkeit für sich. — Der Holzschnitt ist im Gegensinn wiedergegeben.
Sehr sauberes Exemplar, nur von Bl. A3 fehlt die obere Ecke mit 3*—4 Buchstaben
Textverlust.
Early German libel against the Roman clergy and especially a g a i n s t
Thomas Murner, who is portrayed with the head of a cat. It is written
immediately after the excommunication of Luther June 1520.

MÜNCHEN, KAROLINENPLATZ 2
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